Modulare Heimautomatisierung: Homee im Test, Teil 1: Z-Wave

homee 004Wir schreiben das Jahr 2014. „Quantified self„, „Smartwatches„, „Fitnesstracker“ und „Homeautomation“ sind die aktuellen Modewörter. Mit der Heimautomatisierung haben wir uns ja, im Vergleich zu den anderen oben genannten Produktgruppen, bislang nur am Rande beschäftigt – Stichwort Smappee. Das soll sich nun ändern – los geht’s also mit der Heimautomatisierung …

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Das Spektrum der Heimautomatisierung ist riesig. FHEM bietet ein ultra flexibles Sytem mit einem Arsenal an steuerbaren Produkten, ist aber nicht wirklich „out of the box“ und vor allem einfach nutzbar. Smappee kann dank IFTTT und günstigen Steckerschaltern gewisse Teile der Steuerung übernehmen, aber eben lange nicht alle Bereiche abdecken. Licht lässt sich wiederum durch die Philips Hue Lampen schon länger über den Zigbee Funkstandard (fern)steuern. Der hier getestete Homee, ursprünglich als Indiegogo Projekt geplant, hat’s mittlerweile ganz ohne Crowdfunding in den Verkauf geschafft und verspricht durch modularen Aufbau, alle Bedürfnisse der Heimautomatisierung verwirklichen zu können ohne unnötigen Ballast mitzubringen.

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Was ist Homee?

Kurz gesagt ein modulares System bei dem über Erweiterungsmodule Funktionen bei Bedarf nachgerüstet werden können. Will man z.B. Funkschalter und Sensoren auf Z-Wave Basis verwenden, so kauft man zum „Brain Cube“, also dem Basisgerät, kurzerhand den Z-Wave Würfel hinzu. Besteht Bedarf, EnOcean Produkte zu steuern, so kann einfach, wie bei Bauklötzen, ein EnOcean Cube aufgesteckt werden – oder beide. Die Software ermöglicht es dann, BEIDE Systeme zu steuern und zu verknüpfen, also z.B. einen Auslöser von einem Z-Wave Sensor zur Steuerung eines Reglers von EnOcean zu verwenden – oder umgekehrt.

Eine Zigbee Erweiterung ist, wie oben erwähnt, ebenfalls in Planung und wird von uns im 2. Teil dieses Testberichts zu späterem Zeitpunkt behandelt.

Lieferumfang & Installation

Um starten zu können wird zunächst der „Brain Cube“ benötigt, das ist quasi Homees Basisstation. Auf ihm bauen alle Erweiterungen auf. Mitgeliefert wird ein Micro USB Kabel sowie ein USB Netzgerät – das reicht, um loszulegen! Ersteht man den Braincube gleich mit dem hier getesteten Z-Wave Würfel, so muß dieser lediglich oben aufgesteckt werden. Das war’s. Keine Kabel, keine separate Stromversorgung. Gleiches gilt für die anderen Erweiterungen.

Homee hat auf der Unterseite des Braincubes zudem in einem QRCode sowie den eindeutigen Namen des Systems abgedruckt. Bei der Erstinstallation kann dieser QR Code mit der Homee App gescannt werden und es wird so die mühsame Eingabe der Buchstaben-Zahlen-Komi erspart. Schön wäre natürlich, dem eigenen Gerät einen beliebigen Namen geben zu können; vielleicht wird dies ja mit einem Softwareupdate nachgereicht.

Ist also das online-Konto angelegt und der Homee mit selbigem verknüpft so kann man damit fortfahren, Sensoren anzulernen. Der Vollständigkeit halber sei hier erwähnt, dass Homee natürlich OHNE jegliche Sensoren auch ohne jede Funktion ist. Die Anschaffung von Sensoren, seien das Lichtschalter, Stromsteckdosen, Dimmer, Heizungsregler oder Türsensoren (uvm.) muss also unbedingt mit einkalkuliert werden!

Vorteile von Homee

Der größte Vorteil des Homee-Systems ist zweifellos die Einfachheit. Neuer Sensor? App starten, „plus“ antippen, Taste am Sensor drücken, Sensor benennen, fertig. Alle Sensoren wurde in unserem Test immer korrekt erkannt und konnten entsprechend ihrer Fähigkeiten sofort konfiguriert werden.

So kann z.B. binnen einer Minute ein Heizungsregler (der natürlich schon mal montiert sein sollte) angelernt werden und fortan bequem per App oder Webinterface mit Schieberegler gesteuert werden.

homee web 2 - Dashboard

Ebenso einfach ist das Entfernen eines Sensors, hier macht sich die Hilfe der hübschen Homee App bezahlt, nichts gibt Rätsel auf und es funktioniert einfach. Gerade das Z-Wave System, bei dem Sensoren auch aktiv wieder von der Steuereinheit abgemeldet werden müssen, kann hier, je nach Basisstation und verwendetem Sensor, gelegentlich Rätsel aufgeben – nicht so bei Homee.

Automatisierung: Homeegramme

Ganz klar das Glanzstück des Homee Systems: Homeegramme. Der putzige Name täuscht ein wenig über ein sehr starkes Tool hinweg das mit den bei Smappee bedauerlicherweise vermissten und & oder Verknüpfungen glänzt.

Ein „Homeegramm“ ist im Prinzip nichts anderes als IFTTT (if this than that) auf lokaler Basis, also quasi innerhalb des eigenen Heims. Wer einen Türsensor und einen Heizungsregler sein Eigen nennt der kann z.B. sagen, dass beim Öffnen der Balkontür automatisch der Thermostat den Heizkörper zudrehen soll.

homee web 7 - Homeegramm bearbeiten

Dabei können aber die Homeegramme nicht nur einfache Verknüpfungen alla IFTTT umsetzen sondern sowohl „wenn A oder B zutrifft, dann mache C und D und E“. Genial!

Hier stehen als Auslöser neben Uhrzeit & Wochentag auch Schaltereignisse verbundener Geräte zur Verfügung. So kann ein Homeegramm z.B. ausgelöst werden, wenn man das Licht dimmt, oder gerade besonders viel Energie verbraucht wird oder aber auch wenn z.B. die Temperatur in einem Raum unter einen bestimmten Wert sinkt. Natürlich immer vorausgesetzt man hat entsprechende Sensoren verbunden.

Unverständlich leider, weshalb man zur Zeit im Webinterface keine Push-Benachrichtigungen ans Smartphone mehr konfigurieren kann, wohl aber in der App. Ankommen tun die Nachrichten aber leider trotzdem nicht – dabei funktionierte das schon einwandfrei!  Zwar kann man Homee (vorausgesetzt man hat einen Lautsprecher verbunden) selbst definierte Texte als Sprache ausgeben lassen das ist aber natürlich nicht vergleichbar. Ausgesprochen schade!

Was ebenso fehlt ist die Möglichkeit, Homeegramme nur zu bestimmten Zeiten anzuwenden. Gemeint ist, dass man z.B. sagen können sollte: Zwischen 8 und 18 Uhr löse das Homeegramm nicht aus. z.B. um nicht eine Sprachansage zu erhalten, wenn man zu diesen Zeiten ohnehin zu Hause ist und ganz gut wüsste, dass die Balkontüre geöffnet wurde 😉

Derzeit auch nicht im Programm: Geofencing. Derzeit liest die Homee App noch nicht die Position des Nutzers aus. Das wäre ebenfalls ausgesprochen hilfreich um Homeegramme nur dann auszulösen wenn jemand zu Hause ist, oder eben gerade wenn niemand zu Hause ist oder sich aber z.B. jemand dem Zuhause nähert.

Erweiterungsmöglichkeiten

Wie schon eingangs erwähnt besteht ein voll ausgestattetes Homee System aus vier Würfeln. Dem Braincube sowie Z-Wave, EnOcean und Zigbee Würfel. Diese Erweiterungswürfel werden einfach auf den Braincube in beliebiger Reihenfolge gesteckt und über Magneten in Position gehalten. Einzig beim Putzen sollte man Acht geben, möglichst die Verbindung nicht zu trennen; man erhält dann zwar eine Benachrichtigung, besser ist es aber, hier etwas Vorsicht walten zu lassen.

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Der eigentliche Clou ist es aber, eben nur jene Erweiterungen kaufen zu müssen, die man auch tatsächlich benötigt. So kann der Basis-Cube verhältnismässig günstig gehalten werden und nur jene Erweiterungen müssen zugekauft werden, für die man auch Sensoren hat bzw. plant, welche zu kaufen.

Ich fand besonders das einfache „Aufeinanderstellen“ besonders toll gelöst – kein Kabelsalat und sieht schick aus. Bestens.

Homee App

There’s an App for that, hat seinerzeit bereits Steve Jobs gesagt. Natürlich ist auch Homee vollständig über eine App steuerbar. Die App bietet dabei exakt die selbe Funktionalität wie auch das Webinterface – mit der einen Ausnahme der hier noch vorhandenen Mitteilungsfunktion (siehe oben). Wie auch das Webinterface ist die App bzw. ihr Menü in vier Bereiche unterteilt.

Favoriten

Hier werden Sensoren und Aktoren (Schalter) zusammengefasst, welche man selbst als „Favorit“ definiert hat. (Farbe rot)

Gruppen

In Gruppen können einzelne Geräte z.B. nach Raum gruppiert werden, um sie schnell zu finden und zu steuern. (Farbe grün)

Homeegramme

Die eigentliche Automatisierung (siehe oben, Farbe rosa)

Meine Geräte

Die Gesamtübersicht aller mit Homee verknüpften Geräte. (Farbe blau)

Das Menü kann nur über den dezidierten Menübutton erreicht werden. Die üblichen Wischgesten wie sie schon vor langer Zeit in iOS eingeführt wurden sucht man leider vergebens. Auch wurde die App bislang noch nicht mal an iPhone 6 und 6 Plus angepasst. Hier muss dringend nachgebessert werden. An der generellen Funktionalität ändert das aber natürlich nichts.

Während das Webinterface auf große Blöcke, welche die einzelnen Homeegramme oder Geräte symbolisieren setzt so zeigt die App eine Listenansicht der einzelnen Bereiche. Sparsam geht sie dabei aber auch nicht mit dem Bildschirmplatz um. Sobald die App aber mal an die aktuellen iPhones 6 und 6 Plus angepasst ist, dürfte sich dieses Problemchen in Wohlgefallen auflösen.

Geräte, Gruppen, Favoriten und Homeegramme können hier einfach über große gut erreichbare „+“ Buttons angelegt werden. Alles funktioniert selbsterklärend und ohne Probleme. Wunderbar.

Die App erfüllt zweifelsohne ihren Zweck, sie funktioniert anstandslos und ermöglicht die Bedienung der derzeit vorhandenen Funktionen. Sie zeigt aber auch auf, dass hier durchaus noch viel Potential für kleinere Verbesserungen ist, um das Nutzererlebnis weiter zu verbessern.

Persönlich gefällt mir die Designsprache und auch Farbwahl außerordentlich gut.  Es ist definitiv zu sehen, dass hier viel Wert auf das Look and Feel gelegt wurde was ein wichtiger Schritt hin zur Heimautomatisierung für nicht-Geek-Nutzer ist.

homee (AppStore Link) homee
Hersteller: Codeatelier GmbH
Freigabe: 4+
Preis: Gratis Appstore >

Homee bei Google Play

Homee Web

Auch das Webinterface hat exakt die selben Bereiche wie auch die App. Eine Seitenleiste beherbergt die vier oben genannten Bereiche Favoriten, Gruppen, Homeegramme und Geräte. Natürlich gibt es auch einen Button zum Ausloggen sowie einen für die Einstellungen. Allerdings gibt es (derzeit) kaum mehr einzustellen, als die Uhrzeit 😉

In der Seitenleiste können die einzelnen Bereiche zudem sortiert werden; nach dieser Sortierung richten sich dann auch die Kategorien im Hauptbereich.

Im Hauptbereich des Fensters finden wir dann schließlich, gemäß der Sortierung in der Seitenleiste, die einzelnen Elemente der Kategorien. Favoriten können schnell ein- und ausgeschaltet oder geregelt werden, in Gruppen können übersichtlich die zugewiesenen Geräte betrachtet werden usw.

Natürlich können hier, genau so wie auch in der App, neue Geräte hinzugefügt werden. Der Prozess ist exakt der Selbe.

Grundsätzlich ist das Webinterface sehr hübsch, es wäre aber sinnvoll, hier z .B. verschiedene Zoomstufen anwenden zu können denn die grafische Darstellung  benötigt schon extrem viel Platz am Bildschirm. Auch eine Listenansicht wäre praktisch, insbesonders je größer die Anzahl der eingebundenen Geräte wird.

Homee ausprobieren!

Wer sich selbst mal das Webinterface genauer ansehen will, der kann dies in einer eigenen „Testumgebung“ tun, welche die Entwickler etwas versteckt auf der Homepage anbieten.

Was fehlt?

Also grundsätzlich bin ich von Homee ausgesprochen angetan. Folgende Punkte aber fehlen IMHO und/oder sollten von den Entwicklern dringend nachgebessert werden:

  • Integration von IFTTT: Dies würde Homee „die Welt eröffnen“. Dies wäre ein wahres Killerfeature um die Heimautomatisierung tatsächlich auf ein neues Level heben zu können. Die Entwickler sind aber schon dran, wurde mir gesagt.
  • Derzeit nur Sprachbotschaften (über angeschlossene Lautsprecher), nicht aber Push-Nachrichten auf’s Handy. Das gab’s zunächst, derzeit ist es aus dem Webinterface verschwunden und nur noch in der App vorhanden, leider ohne Funktion. Bitte wieder einbauen/aktivieren!
  • Der Zeitraum, indem spezielle Homeegramme angewendet werden, sollte definiert werden können. Derzeit kann nur die Uhrzeit und der Wochentag als Auslöser definiert werden.
  • Geofencing: Unabdingbar um z.B. das Licht beim Eintreffen zu Hause steuern zu können oder aber auch die Heizung abschalten zu können, wenn man ohnehin nicht zu Hause ist. Klar, das mit der Heizung können auch Systeme wie Tado, allerdings sollte dies auch bei Homee, das ja viele verschiedene Sensoren verbinden kann, inkludiert sein.
  • Schön wäre z.B. auch eine Statistikfunktion. Einige Geräte wie der Fibaro Netzstecker mit Strommessfunktion können eben auch den Stromverbrauch darstellen. Diese Daten könnten aber natürlich auch noch viel weitreichender verwendet werden wenn man z.B. abhängig vom Stromverbrauch ein Event auslösen könnte oder eben den Verbrauch aufzeichnen könnte um so granular Verbrauchssünder aufzuspüren.
  • Homeegramme sollten Homeegramme auslösen können.
  • Ein Zentralschalter um z.B. alle Geräte auszuschalten und einer, der z.B. alle Homeegramme gesammelt deaktiviert/reaktiviert wäre ebenfalls wünschenswert.

Fazit

Homee hat großes Potential. Nicht ohne Grund hätte ich schon bei der Indiegogo Kampagne damals mitmachen wollen. Also Homee dann ohne Crowdfunding das Licht der Welt erblickte war ich umso erfreuter. Das Konzept ist genial, das Design hübsch, kompakt und unaufdringlich, zeitgleich stylisch und der Funktionsumfang ist bereits jetzt gut. Allerdings ist Homee derzeit eher für Hobbyanwender geeignet als für Heimautomatisierungsprofis da einfach noch viele Möglichkeiten nicht gänzlich ausgeschöpft werden. Wenn IFTTT aber mal implementiert ist und auch Geofencing und erweiterte Homeegramme unterstützt werden wird sich Homee aber zweifelsohne zu einem ganz großen Player in diesem Sektor mausern. Mein Tip: Wer langsam in den Bereich Heimautomatisierung einsteigen will ist mit Homee genau an der richtigen Adresse!

Homee gibt’s derzeit bei Cyberport ab 131€ (nur Braincube) bzw. ab 200€ (Braincube + ZWave) zu kaufen.

 

3 Antworten auf „Modulare Heimautomatisierung: Homee im Test, Teil 1: Z-Wave“

  1. Hallo Holger,

    „Smart Home“ ist offenbar mittlerweile ein Thema, das auch außerhalb einer handvoll experimentierfreudiger Bastler auf Interesse stößt. Dennoch betrachten die meisten (und da will ich mich selbst gar nicht ausschließen) das ganze eher aus sicherer Entfernung und warten ab, bis ein paar Early Adopters den Weg geebnet haben…

    Vielleicht ist ein modulares System wie „Homee“ ja die bessere Lösung, anstatt auf einen einheitlichen Standard zu warten, den es womöglich gar nie geben wird. Daher vielen Dank für den ausführlichen Test – ich freue mich schon auf den zweiten Teil 😉

    Beim Stöbern auf der Homepage ist mir übrigens aufgefallen, dass es einen Simulator für das Webinterface gibt. Leider ist dieser etwas versteckt – welcher (Noch-)Nicht-Kunde klickt schon auf „Mein Homee“? Vielleicht wäre ein Link darauf eine gute Ergänzung zu der Bildergalerie für Leute wie mich, die nicht nur mit den Augen sondern besonders gerne auch mit den Fingern schauen.

    Grüße
    Nic

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