Gehen wir’s an mit Android Wear: LG G-Watch im Test

press1Seit Mitte Juni bin ich mit dem Oneplus One Android Nutzer. Ob das Ganze ein „Projekt“ ist und ich letztlich dann vielleicht doch wieder bei iOS lande oder ob ich bei Android bleiben werde, wird Android L sowie das iPhone 6 zeigen. Ganz entscheidend wird aber die Entwicklung der „Wearables“ in meine Entscheidung einfließen.

LG hat mit der G Watch eine der allerersten Android Wear Smartwatches am Start. Ich will euch nun zeigen was man von Android Wear erwarten kann und wie sich die G Watch im Alltag schlägt.Design & Tragekomfort

Das Design der G Watch ist schlicht.  Sogar auf das Markenemblem hat LG hier erfreulicherweise verzichtet. Ich habe das Modell mit weißer Rückenplatte und weißem Armband sowie champagnerfarbenem Gehäuse getestet und empfand die Uhr als unaufgeregt schick.

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Gemessen an den DERZEIT erhältlichen Smartwatches würde ich das Design der G Watch etwas hinter der Samsung Gear und über Pebble, Kreyos & Co. ansiedeln. Aber das ist natürlich Geschmackssache. Und bewußt lasse ich hier die G Watch R, welche von LG zum Beginn der IFA in Berlin vorgestellt wurde, sowie die Moto 360, die am selben Tag in Chicago das Licht der Welt erblickte, außen vor.

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Die G Watch ist schlicht, die Front besteht nur aus dem schwarzen Displayelement, das auf dem champagnerfarbenen Rahmen sitzt. Das Armband ist außen glatt und hat auf der Innenseite eine leichte Struktur (zu sehen in der Videodemo weiter unten), welche die Uhr mit ihren 63g extrem angenehm tragbar macht.

An der unteren Kante des schwarzen Displayrahmens finden wir zuguterletzt noch das kleine Mikrofon.

Auf der weißen Rückseite finden wir neben einem kleinen Knöpfchen zum Reset sowie den Ladekontakten nur die üblichen Aufdrucke. Alles in allem ganz hübsch und auf’s Wesentliche reduziert.

Das Display

Ich weiß zwar nicht, was ich mir von dem „always-on“ Display vorgestellt hatte, definitiv jedoch hatte ich nicht diese gute Qualität erwartet. Farben wirken kräftig und in Innenräumen ist auch die Leuchtstärke mehr als ausreichend. Und auch die 280×280 Pixel erweisen sich im Alltag als ausreichend und im Normalfall erkennt man keine Pixel, wenn man es nicht darauf anlegt. Natürlich handelt es sich aber um keine „retina“ Auflösung.

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Die mitgelieferten Zifferblätter von LG sind leider eher mau. Ich hätte es begrüßt mehr an „echte“ Uhren angelehnte Zifferblätter auf der G Watch vorzufinden als knallbunte und abgehobene Geek Zifferblätter. Aber auch hier wären wir mal wieder bei der berühmten „Geschmackssache“ und im Play Store gibt es genügend schöne alternativen wie z.B. jene von Vuxia.

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Im Standby wird von Android Wear das Zifferblatt bzw. das Display gedimmt. Dieses Verhalten ist allen bisher von mir getesteten Zifferblättern gemein. Meist wird dann nur eine schwarz/weiß Ansicht angezeigt. Neigt man das Handgelenk so wird es dann wieder in Vollfarbe und mit der eingestellten Leuchtstärke dargestellt. Bei maximaler Leuchtstärke ist durchaus auch ein Ablesen bei Sonnenschein machbar aber nicht wirklich zufriedenstellend; vermutlich ein Tribut an die Akkulaufzeit. Weshalb LG hier aber kein transreflektives Display einsetzt, ist mir schleierhaft.

Maximale Leuchtstärke am Tag ist dafür dann aber in den Abendstunden ziemlich grell und nächtens quasi unerträglich. Zwar soll die G Watch theoretisch durch „auflegen der Handfläche“ dimmbar sein, in der Praxis konnte ich aber keine unterschiedlichen Modi feststellen Ist das Display gerade aktiv (durch die genannte Handgelenksbewegung z.B.) kann es durch Auflegen der Handfläche in den Standbymodus versetzt werden. Letztlich hatte ich mich dann für Leuchtstufe 4 von 8 entschieden. Alles in allem die einzigen Mängel: Keine transreflektive Technik und kein Umgebungslichtsensor. Das geht definitiv besser, dennoch ist dies aber kein Dealbreaker.

Akkulaufzeit

Hier muß man natürlich entscheiden, wie man den persönlichen Maßstab anlegt. Die Einen sagen sie laden ohnehin schon das Smartphone täglich auf, da kommt’s auf die zugehörige Smartwatch nicht an, die kann auch über Nacht laden. Die Anderen kommen aus dem Pebble-Lager und empfinden alles unter 4 Tagen Laufzeit als eine Zumutung.

Nun, persönlich zähle ich mich zu erster Kategorie; dann lege ich eben die G Watch nächtens auf das magnetische Ladedock und nehme sie am Morgen dort wieder runter. Kein Problem. Abends sind meist 30-40% Akkuleistung übrig was uns zu ca. 1,5 Tagen Laufzeit bringt. Schade ist hier lediglich, dass das Aufladen ausschließlich über das mitgelieferte Dock erfolgen kann, zumindest ein Adapter in irgendeiner Form wäre schön gewesen, denn so muß man wieder an ein neues Gerät denken, das man mit auf Reisen nehmen muss.

Technisches

CPU Qualcomm Snapdragon™ 400 Prozessor
Display 4,2cm LCD IPS (280 x 280 Pixel)
Speicher 4GB eMMC / 512MB RAM
Akku 400mAh
Betriebssystem Android Wear
(kompatibel mit Smartphones ab Android 4.3)
Maße 37,9 x 46,5 x 9,95mm
Gewicht 63g
Verbindungen Bluetooth 4.0
Sensoren 9-Achsen (Gyro / Accelerometer / Kompass)
Farben Weiß Gold/ Schwarz Titan
Wasserfestigkeit Staub und Wasserfest lt. IP67 (30min bei 1m Wassertiefe)

Android Wear im Alltag

Ich sag’s ganz ehrlich, ich bin an die Android Wear Geschichte recht unbelastet herangegangen. „Schauen wir mal, was das so kann“. Und ich muss sagen, hey, funktioniert echt gut! Grundsätzlich landen alle „Karten“ die auch Google Now anzeigt auf der Uhr. Zeigt also Now gerade die Wetterkarten an, so tut dies auch die G Watch. Steht ein Termin bevor, so erscheint er auf der G Watch. Selbiges gilt für alle anderen Arten von Karten. Zusätzlich werden aber auch jegliche Benachrichtigungen auf die Uhr gepusht. Whatsapp, Hangouts, Mailbox, Instagramm – you name it. Bislang gab es keine Benachrichtigung die nicht ankam. Perfekt!

Ein Wisch nach rechts schubst die betreffende Karte vom Bildschirm (und auch aus Google now), ein Wisch nach links zeigt weitere Informationen an. Bei Hangouts z.B. den Nachrichtenverkauf, beim Wetter die Wochenvorschau, bei Instagram z.B. den gesamten Text der Nachricht. Super!

Auch Sprachkommandos funktionierten im Test einwandfrei. Egal ob Websuchen, das Hotword „OK Google“ (zugegeben, mit extrem amerikanischer Färbung) oder eine Notiz zu schreiben – klappt. Natürlich wird die Erkennungsrate bei Umgebungsgeräuschen schlechter und grundsätzlich finde ich es eher suboptimal in der Öffentlichkeit irgendwelche Dinge in meine Uhr oder mein Smartphone zu rufen. Egal ob das dann Google Now oder Siri oder Cortana heißt.

Für Karten ist das Konzept genial. Für Musiksteuerung aber eher nicht. Das Display wäre durchaus groß genug um Play/Pause bzw. Titelsprung und/oder Lautstärkenregelung unterzubringen. Stattdessen muss man aber weiter nach links wischen um zu den entsprechenden Optionen zu gelangen. Im Alltag wenig praktikabel, das macht z.B. die Pebble wesentlich besser.

Vielfach bemängelt wurde auch der Onlinezwang von Android Wear. Nun kann ich selbst zwar dank hervorragender Netzabdeckung von keinen negativen Vorfällen berichten, Tatsache ist aber, dass ohne Datenverbindung gar nix geht; nicht mal ein Sprung zum nächsten Songtitel. Das muß nun wirklich nicht sein. Google sollte da dringend nachbessern (siehe nächster Punkt „Zukunftsaussicht) um grundsätzliche Funktionalität auch ohne Datenverbindung (Stichwörter: Reisen & Urlaub) zu ermöglichen.

Zumindest aber wird man durch ein durchgestrichenes Wölkchen am Display über entweder unterbrochene Verbindung zum Smartphone oder eben fehlende Datenverbindung informiert.

Alles in allem bin ich von Wear aber begeistert. Hier funktionieren sogar die Benachrichtigungen von Mailbox – selbigen hatte sich nämlich bislang meine Pebble verweigert. Da ich mich 99% der Zeit in Gebieten mit guter Netzabdeckung bewege und im Urlaub eher mal auf Notifications verzichten kann ging für mich das Google Now Konzept voll auf.

Zukunftsaussicht

Google hat vielversprechenderweise angekündigt, Android Wear solle in sehr naher Zukunft auch eine weitgehende Autonomie der Smartwatches ermöglichen. So soll z.B. bald Musik auch auf den Uhren gespeichert werden können (was den 4GB Speicher der G Watch ungleich praktischer erscheinen ließe) und kompatible Uhren z.B. auch ggf. Barometer oder GPS Sensoren enthalten können um so Strecken oder auch Höhenveränderugnen aufzeichnen zu können. Im Laufe dieses Jahres sollen noch mehrere kleinere Updates für die Wear-Plattform erfolgen und speziell die Sprachsteuerung sowie die Navigation verbessern.

Videodemo

Fazit

Mich hat die G Watch bzw. Android Wear überzeugt, allerdings würde ich den Preis hier mit maximal 119€ festlegen bzw. sagen wir mal so, das wäre mir die Uhr wert. Derzeit geht das weiße Modell für etwa 160€ über den Tresen, das schwarze für etwa 190€. Mit Erscheinen weitere Wear Modelle dürfte die G Watch im Preis eventuell sinken. Über das unaufgeregte Design lässt sich streiten – die G Watch ist hübsch aber für Uhren-Fans sicher nicht der Hingucker oder Brüller schlechthin. Wenn der Preis etwas sinkt könnte die G Watch aber durchaus ein hervorragendes Einstiegsmodell in die Android Wear Smartwatch-Welt sein.
 

2 Antworten auf „Gehen wir’s an mit Android Wear: LG G-Watch im Test“

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