Z-Wave Heimautomatisierung von Devolo im Test, Teil 1

devolo-Home-Control-Starter-Pack-packshot-Starter-Kit-xl-3119Heimautomatisierung. Das ist ja derzeit ein wahrlich geflügeltes Wort und sogar Apple will mit HomeKit so ein ganz klein wenig mit einsteigen. Das will was heißen! Heute geht’s um das Home Control System von Devolo, welches auf den relativ weit verbreiteten Z-Wave Funkstandard setzt, hier vernetzen sich nämlich alle Netzbetriebenen Z-Wave-Geräte untereinander und leiten die Funksignale des Systems gegenseitig weiter.

Allgemeines

Vor Jahren haben wir uns schon Homee angesehen, vielversprechend war es, leider wartet man immer noch auf neue Erweiterungen. Schade. Auch Homee funkte schon mit Z-Wave, einem vereinheitlichten Standard zur Heimautomatisierung.

Devolo, bekannt von z.B. Powerline-Lösungen wie dem von uns getesteten dLAN 1200+ Wifi AC System, hat eben auch eine „Home Control“ Zentrale im Programm. Das System besteht grundsätzlich aus einer Basisstation, der „Zentrale“ und den gewünschten Sensoren bzw. Reglern.

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Vor dem Kauf sollte man sich grundsätzlich überlegen, was das System genau steuern soll. Sowohl auf Sicherheit ausgelegte Lösungen sind möglich als auch jene die sich auf die Automatisierung verschiedener Abläufe im Haus beziehen. Ein Türsensor an der Eingangstür kann bei Abwesenheit zur Alarmmeldung genauso verwendet werden, wie an der Balkontüre um z.B. die Heizung abzuschalten, während die Tür geöffnet ist.

Ein entscheidender Vorteil des recht offenen Z-Wave Systems ist natürlich, dass man als Nutzer nicht zwingend auf vom Hersteller der Steuerzentrale vertriebene Sensoren oder Regler/Schalter angewiesen ist. In der Praxis hat die Verwendung von Produkten aus dem Devolo Sortiment aber durchaus Vorteile.

Installation & Ersteinrichtung

Devolo hat sich hier große Mühe gegeben, die Installation so schmerzfrei wie möglich zu machen. Zunächst muß auf www.mydevolo.com ein kostenloses Konto eingerichtet werden. Über dieses Konto kann künftig die Zentrale eingerichtet und gesteuert werden. Dies bietet natürlich für weniger versierte Nutzer den entscheidenden Vorteil, das System sofort von überall auf der Welt aus nutzen zu können. Der Nachteil ist aber natürlich auch, dass man zur Konfiguration des Systems auf die Server des Herstellers angewiesen ist, obwohl die eigentlichen Regeln lokal in den eigenen vier Wänden ablaufen.

Nach der Kontoerstellung muss die Zentrale nur in eine freie Steckdose nahe des Routers gesteckt werden und mittels beigelegtem Netzwerkkabel mit dem Router (LAN) verbunden werden. Sobald die Zentrale hochgefahren ist, kann sie dank der klar und einfach gestalteten Anleitung direkt auf www.mydevolo.com schnell dem eigenen Zuhause zugewiesen und eingestellt werden.

Binnen fünf Minuten ist die Zentrale einsatzbereit und Sensoren und Schalter können hinzugefügt werden.

Und weil dieser Testbericht ohnehin etwas textlastig wird, hier eine Bilderstrecke zur Einrichtung und zum „Anlernen“ einiger Sensoren.

Geräte

Die Sektion „Geräte“ beinhaltet alle am System angemeldeten Z-Wave Geräte. Das können Taster, Rauchmelder, Fernbedienungen oder auch Türsensoren, Steckdosen, Dimmer und Bewegungsmelder sein. Alle Geräte können in dieser  Sektion hinzugefügt und verwaltet werden.

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Ein Klick auf das Plus-Symbol starten den Dialog zur Einrichtung. Hier sei erwähnt, dass natürlich nur die von Devolo vertriebenen Geräte hier mit dem Komfort eines einfachen und hilfreichen Installationsvideos hinzugefügt werden können. Geräte anderer Hersteller müssen als „unbekanntes Gerät“ gemäß der Bedienungsanleitung des jeweiligen Gerätes angelernt werden, das kann bei manchen Z-Wave Geräten etwas nervig und mühsam sein, denn gerade Hersteller günstiger Geräte liefern oftmals sehr kryptische Anleitungen. Wer es sich hier also einfacher machen will, sollte die Geräte von Devolo bevorzugen.

Grundsätzlich muss man hinsichtlich der Funktionsweise eines Z-Wave Automatisierungssystemes verstehen, dass alle an das Stromnetz angeschlossenen Geräte üblicherweise das Signal der Steuerzentrale weiterleiten und natürlich auch verstärken. „passive“ Geräte wie z.B. Türsensoren oder Bewegungsmelder hingegen wachen einfach gelegentlich (oder bei einem Ereignis) aus dem Schlaf auf um den aktuellen Status an die Zentrale zu funken.

Wenn aber nun z.B. die Zentrale zu weit vom Türsensor entfernt ist und das Signal deshalb selbigen nicht mehr erreicht, so hilft ein zweiter Türsensor nicht dabei, das Signal zu verstärken. Ein Z-Wave System ist also dann am besten, wenn möglichst viele Netzbetriebene Geräte im Einsatz sind um so ein möglichst engmaschiges Z-Wave Netzwerk aufzubauen.

Kategorie Home Control

In der Geräteübersicht können wir also alle am System angemeldeten Geräte steuern und auch konfigurieren oder auch den jeweiligen Raum in dem das Gerät im Einsatz ist, definieren. Abhängig vom Gerät kann man natürlich auch wählen, ob ein Bewegungsmelder z.B. mittels einer Status LED Meldung erstattet oder eben nicht.

Das Devolo-System ist hier wirklich unglaublich gut gelöst und wird auch laufend weiterentwickelt – während meiner bisherigen Testphase gab es diverse Softwareupdates, welche die Usability merklich verbesserten.

Gruppierungen

Unter Gruppierungen können intelligente Gruppen basierend aus den am System angemeldeten Geräten erstellt werden. So gibt es derzeit z.B. die Kategorie „Schalt-  und Messsteckdosen“ sowie „Heizkörper und Thermostate“. Man wählt also die Kategorie aus und fügt die gewünschten Geräte zur Gruppe hinzu. Fortan können die sich in der Gruppe befindlichen Geräte in einem Rutsch in Szenen oder in der Zeitsteuerung angesprochen werden.

Eine weitere tolle Funktion ist das „Synchronisieren“. Bei Steckdosen führt dies dazu, dass alle Steckdosen der Gruppe immer den selben Schaltstatus (ein oder aus) haben. Schaltet man solch Gruppe z.B. über die App ein, so reicht ein Tastendruck an einer der Steckdosen um alle der Gruppe zugehörigen abzuschalten. Bei Heizkörperreglern und dem zugehörigen Raumthermostat führt eine Änderung am Thermostat dann auch sofort zum Regeln der synchronisierten Heizkörperventile – und umgekehrt. Genial.

Zeitsteuerungen

Die Zeitsteuerung wiederum ist selbsterklärend. Hier können Geräte bzw. Schalt- und Steuervorgänge mit einem Zeitplan versehen werden. Da könnte z.B. eine Gruppe aus Steckdosen über einen Zeitplan, auf Wunsch einen oder mehrere pro Tag, angesteuert werden um z.B. die Weihnachtsbeleuchtung ein- und wieder auszuschalten. Ebenso könnte zeitgesteuert das Homeentertainment des Nächtens vom Strom getrennt werden, um den Standby-Verbrauch zu minimieren.

Szenen

Dank der Szenen können im Devolo System noch komplexere Abläufe abgebildet werden. So könnte man eine Szene z.B. „Fernsehabend“ nennen und auf einen Schalter oder die Fernbedienung legen. Drückt man dann die entsprechende Taste des Schalters so wird die Steckdose für das Homeentertainment eingeschaltet, der Dimmer auf 50% gestellt und noch eine Lampe am Beistelltischchen eingeschaltet während die Heizkörper auf 22°C gestellt werden. Der Kreativität sind da kaum grenzen gesetzt.

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Nachrichten

Der Nachrichtenbereich wurde erst kürzlich (und endlich) um die Möglichkeit von Pushmitteilungen auf’s Handy erweitert. Zunächst wird die gewünschte Meldungs-Kategorie angelegt, also z.B. „Push auf mein iPhone“, danach kann z.B. in einer Szene die eben angelegte Benachrichtigung hinzugefügt werden.

Wann immer man also die Szene startet, würde man eine Pushmitteilung am Telefon erhalten. Natürlich können die Meldungen auch mit Regeln, dazu komme ich gleich, verknüpft werden. z.B. könnte man einen Fenstersensor am Kellerfenster anbringen und sich benachrichtigen lassen, wenn selbiges geöffnet wird.

Regeln

Regeln, zu guter letzt, sind schließlich der leistungsfähigste Part des Heimautomatisierungssystems. Hier kann eben, wie schon erwähnt, eine Benachrichtigung veranlasst werden wenn etwas passiert oder aber auch der Heizkörper in einem Raum herunter geregelt werden, wenn das Fenster geöffnet wird. Hier lohnt es sich, sich eingehend mit dem System auseinanderzusetzen. Mittels einer Funksteckdose und eines Schalters (oder auch Bewegungsmelders) kann man z.B. beim Auslösen eine Steckdose für z.B. 10 Sekunden einschalten und sich so quasi ein einfaches Nachtlicht erstellen.

Wer aber z.B. das Z-Wave System um Unterputzgeräte erweitert, auch hier gibt es zahlreiche spannende Möglichkeiten, könnte z.B. das Licht im Gang bei Bewegung automatisch angehen lassen ohne auf einen fest verkabelten Bewegungssensor setzten zu müssen.

Die App

Nun, leider kommt bei der „App“ nicht wirklich Freude bei der Benutzung auf. Im Grunde ist die App ein „Anzeigebehälter“ für das aus dem Browser bekannte Webinterface. Die mobile Ansicht ist selbst am iPhone 6S  zu verschwenderisch mit dem Platz am Display, die Webansicht nicht dynamisch und viel zu klein und damit eher unbrauchbar. Zudem sind viele Icons nicht wirklich retina-tauglich und daher pixelig. Sorry Devolo, hier muss dringend nachgebessert werden, denn diese App unterstreicht keineswegs den sonst so positiven Gesamteindruck. Und klar, man KANN mit der App alle Szenen oder auch Geräte steuern – aber heutzutage gehört halt auch mehr als reine Funktion dazu.

Im Alltag

Das Homecontrol System von Devolo verhält sich unauffällig und funktioniert. Allerdings sollte sich jeder, der mit dem Gedanken spielt, bei der Heimautomatisierung einzusteigen, gründlich über das jeweilige System informieren. Wie schon erwähnt – wenn die Basis in Raum A ist und der Türsensor in Raum B und vielleicht beide eine Stahlbetonwand trennt, dann wird vermutlich irgend ein weiteres vom Netzstrom betriebenes Z-Wave Gerät benötigt werden, um die Stabilität der Funkstrecke zu gewährleisten. Hier muss man einfach viel ausprobieren und sich besser zunächst die Möglichkeiten des Systems ansehen und danach die jeweiligen Z-Wave Geräte kaufen. Ein großes Arsenal an Geräten anzuschaffen und auf einmal anzulernen an der Steuerzentrale führt meist eher zum Chaos denn zu einem funktionierenden und zuverlässigen System.

Positives & Negatives

++ einfache Installation der Devolo Komponenten
++ kompakte und hübsche Steuerzentrale
++ Steuerzentrale fungiert zeitgleich auch als DLAN Gerät
++ gut gemachtes Webinterface und umfassende Steuermöglichkeiten über Regeln, Zeitsteuerung usw.
++ relativ preisgünstig in der Erstanschaffung
++ regelmäßige Updates und Detailverbesserungen
++ Steuerung auch von Fremdcomputern über den Browser möglich dank mydevolo Account

— viele Z-Wave Komponenten sind übertrieben teuer
— die App ist leider schlecht gelöst und lässt keine Freude bei der Benutzung aufkommen
— das System kann zwar DLAN allerdings nicht in der aktuell schnellstmöglichen Variante

Fazit

Devolo hat hier mit dem Homecontrol System vieles genau richtig gemacht. Das System ist einfach zu konfigurieren und verrichtet zuverlässig seinen Dienst, hinzu kommt ein gutes Sortiment an Z-Wave Produkten die von Devolo gebrandet wurden und besonders einfach zum System hinzuzufügen sind. Meines Erachtens finden wir hier eine der besten Einstiegsmöglichkeiten in die Heimautomatisierung. Während dieser Artikel der Einstiegsartikel zur Heimautomatisierung ist, werde ich im neuen Jahr nochmals eingehend auf das Thema eingehen.

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