Das gläserne Auto: OBD Dongle TomTom Curfer im Test

Nein, MacManiacs wird nicht zum Auto-Blog; keine Sorge. Aber passend zu den bestehenden Fahrzeug-Reviews (Mini Countryman & Renault Scénic) will ich euch heute ein recht informatives Zubehörprodukt aus dem Hause TomTom vorstellen. Den Curfer. Der Curfer ist ein kleines Gerät welches an den Diagnosestecker (OBD II Standard) angesteckt wird; jenem Anschluß also, über den auch die Werkstätten allerlei interessante Informationen, inklusive etwaiger Fehlermeldungen, auslesen. Der Curfer soll dem Fahrer Einsicht in das persönliche Fahrverhalten geben und vor allem dabei helfen, selbiges zu verbessern. Ob das klappt?

Verpackung, Lieferumfang, Inbetriebnahme

Nun, die Verpackung ist schnell behandelt, etwas dünner Karton, etwas Kunststoff im typischen TomTom Design. Auch zum Lieferumfang gibt’s nix zu sagen – der Curfer ist in der Verpackung – das war’s. 😉

Auch zur Inbetriebnahme muss man (erfreulicherweise) kaum Worte verlieren. Ich empfehle, am besten bereits im Vorfeld herauszufinden, wo das jeweilige Fahrzeug den OBD Anschluß hat, vielfach ist selbige  irgendwo links im Fußraum des Fahrers. Die Curfer-App versucht aber durch eine Abfrage des Fahrzeugmodelles das Auffinden des Anschlusses zu unterstützen. In meinem Fall des Renault Scénic allerdings war das aktuelle Modell noch nicht in der App verfügbar.

Nachdem man die Curfer-App geladen hat, wird das kleine Gerät an die OBD-Buchse gesteckt.

Nun startet man die App und legt den obligatorischen Curfer-Account an. Das ist für die Datenspeicherung notwendig; leider aber hat der Hersteller nicht an ein Webinterface  zur Einsicht der Daten gedacht – schade. Um den Curfer nun mit der App zu verbinden leitet die App Schritt für Schritt durch den Prozess. Wie bereits erwähnt, wird das Fahrzeugmodell abgefragt, fehlt das eigene Fahrzeug, so kann man „anderes“ auswählen, das tat dem Setup natürlich keinen Abbruch. Im nächsten Schritt muss man die App verlassen und in den Bluetooth-Einstellungen das Handy mit dem Curfer zu verbinden, retour zur App, ein paar Buttons klicken und schon werden die Daten in der App angezeigt.

Wichtig: Für diese Einrichtung muss man eine Internetverbindung am Smartphone haben. Hat man keinen Empfang, so kann auch die Aktivierung des Curfer nicht durchgeführt werden.

Erfasste Daten

Der Curfer vermag es, recht viele Daten während der Fahrt abzurufen und anzuzeigen. Der Hauptbildschirm gibt Aufschluss über die erzielten Punkte der aktuellen Fahrt. Bewertet werden beschleunigen, bremsen, Kurvengeschwindigkeit und Leerlauf. Wer langsam beschleunigt und das Auto quasi „um die Kurve trägt“, wird hier schnell volle Punktzahlen erhalten.

Am zweiten Bildschirm der App finden wir die aktuelle Motordrehzahl, Fahrzeit, aktuelle Geschwindigkeit sowie Distanz, Maximal- und Durchschnittsgeschwindigkeit. Hätte ich das mal damals bei meinem Citroën Xsara mit defektem Tacho gehabt, lach.

Am dritten Bildschirm finden wir die sogenannten „Experten“ Werte. Dinge wie Batteriespannung, Luftmassestrom oder auch Katalysatortemperatur können hier aktuell eingesehen werden. Sehr spannend allerdings auch sehr schade, dass die Daten nur für die letzten 4 Minuten als Verlaufskurve abrufbar sind. Hier hätte ich mir zumindest optional die dauerhafte Speicherung gewünscht bzw. um diese auch als Diagramm auswerten zu können.

Wer die Streckenaufzeichnung via GPS aktiviert findet am vierten Bildschirm alle gefahrenen Strecken mit detaillierten Informationen wie der Strecke, der Fahrzeit, erzielten Punkten, G-Kräfte und vor allem auch dem Streckenverlauf auf der Karte. Auf der Karte kann zudem auch farblich angezeigt werden wo auf der gefahrenen Strecke  z.B. der Kat am heißesten war oder wo man die höchste Geschwindigkeit erreichte. Super!

Hier fände ich aber eine Konfigurationsmöglichkeit bzw. eine detailliertere Anzeige im Web sinnvoll da am Handydisplay eher wenig Darstellungsmöglichkeiten bestehen.

Weiterer Pluspunkt, durch die Aktivierung der Aufzeichnung der Fahrten kann auch nachträglich (und nicht nur für die letzten 4 Minuten) nachverfolgt werden, wo z.B. die Katalysator Temperatur auf der 700km langen Fahrt am  höchsten war usw.

Auf allen vier Bildschirmen kann man unten auf „Auswertung“ tippen und findet die eigentlichen Fahrtdaten, also jene, die man auch mit Motory synchronisieren kann. Diese Daten können nach Tag, Monat oder Jahr gruppiert werden.

Zuguterletzt gibt’s dann noch zwei Buttons; links oben um auf Optionen bzw. das Profil zuzugreifen, rechts oben für die gewonnenen Trophäen. Speziell letztere sind eine (zwar nicht notwendige) aber ganz lustige Möglichkeit „dran“ zu bleiben, an der Curfer App.

Der Curfer im Alltag

Der Curfer und seine App sind im Alltag unauffällig. Sobald der Motor gestartet wird, meldet die App (sofern man erlaubt hat, dass sie Notifications schickt) die Aufzeichnung einer neuen Fahrt. Man kann natürlich parallel die App öffnen und laufen lassen. Persönlich starte ich die App meist und wechsle dann zu einer anderen App, z.B. Audible. Kommt man zu Hause an kann man dann bei Bedarf die Fahrt analysieren oder das Fahrtenbuch bei Motory einsehen.

Kampf dem Tachobetrug – Motory.de & Curfer

Für mich persönlich war die Integration zwischen Motory.de und dem Curfer einer der größten Pluspunkte. Motory ist quasi ein Facebook für Autos. Für das Auto kann man dort ein Autoprofil erstellen und mit den Fahrzeugspezifischen Daten füttern. Von Ausstattung über Kilometerstand, Spritverbrauch, Servicekosten oder auch Fahrten kann hier alles erfasst werden.

Führt man solch Profil lückenlos, so kann es dann sogar beim Verkauf des Fahrzeuges an den neuen Besitzer übergeben werden und selbiger hat dann eine gute Dokumentation, wie pfleglich der Vorbesitzer das Fahrzeug behandelt hat. Wurden alle Services durchgeführt? Wann war der Zahnriehmenwechsel? All das könnte in dem Profil erfasst werden. Tut man das, so hat man zudem schöne Diagramme und Auswertungen hinsichtlich z.B. Spritverbrauch oder auch eine Aufteilung der Kosten (fix und variabel) welche bei einem Auto so anfallen. Keine schönen Zahlen, soviel kann ich sagen 😉

Der Curfer übermittelt übrigens eine Fahrtdaten und KEINE GPS DATEN an Motory. Dort können also lediglich die Fahrten an sich, nicht aber Start- und Zielpunkte oder der Streckenverlauf eingesehen werden. Das bleibt ausschließlich auf dem Handy des Nutzers gespeichert.

Verbindet man den Curfer mit dem Motory Profil so werden die Fahrten automatisch bei Motory gespeichert und sodann z.B. kategorisiert werden um ein fast automatisches Fahrtenbuch zu erstellen. Auch Kennzahlen zur Fahrt werden gespeichert und der letzte Ladezustand der Batterie. Kann im Winter ganz praktisch sein 😉

Zudem übermittelt der Curfer einmal im Monat den Kilometerstand gemäß der gefahrenen Fahrten und beugt so weiter gegen Tachobetrug vor. Ganz ohne Zutun oder manuellen Aufwand. Find ich super, andere Leute werden aber wohl aus Datenschutzgründen vom Teilen der Daten absehen.

Während meines Tests hatte ich übrigens ein paar Probleme mit einigen Funktionen von Motory; die Jungs waren da extremst hilfsbereit und haben das alles im nullkommanix gefixt. Top Support!!

Die leidige Synchronisation

Ich bin eine ganze Weile mit dem Curfer durch die Gegend gefahren. Täglich.  Zur Arbeit, nach Hause, zum Sport oder auch einfach nur zum Autohändler. Gemein waren all den Fahrten eine nicht durchschaubare Frequenz der Synchronisation der Fahrtdaten. Gemeint sind nicht die Livedaten zum Fahrzeugstatus, Beschleunigung oder Motordrehzahl sondern die Tatsächlichen Fahrten. Sprich: Start 6 Uhr, Ende 6:23, 30km durchschnittlich 45km/h z.B.

Zwar synchronisieren die Daten sich durchaus aber eben nicht „nach jeder Fahrt“ oder „jeden Tag“ sondern nur manchmal nach jeder Fahrt und manchmal zwei Tage nicht. Das ist ärgerlich und undurchschaubar, speziell WEIL ja die Bluetoothverbindung einwandfrei besteht. Und dass das Bemühen des eigenen Menüpunktes „Synchronisation“ in 90% der Fälle einfach ein vordergründiges Einfrieren der App verursacht ist leider auch nicht wirklich hilfreich. Manchmal wird vermeldet, dass die Synchronisation erfolgreich war, manchmal, dass sie es nicht war, aber meistens lässt die App einfach nicht mehr mit sich interagieren, obwohl sie im Hintergrund weiterhin zuverlässig Daten sammelt, sofern man sie nicht abschießt. Alles Softwarebugs die TomTom ausbessern könnte…

Lt. Hersteller jedenfalls ist die Synchronisation in einer Weise gedacht, dass erst nach 15min eine Fahrt als abgeschlossen wird und nur alle 30min die Daten synchronisiert werden.

Fährt man also nur kurz 20min wohin, so sieht man die Fahrtdaten nicht. Dauert die Rückfahrt auch nur 20min so scheint nicht gewährleistet, dass hier eine Synchronisation ausgelöst wird… irgendwie…. doof.

Und, leider ein weiterer (recht großer) Minuspunkt: Der Speicher im Curfer scheint recht gering zu sein. Hat man das verbundene Handy aus irgend einem Grund nicht dabei um die Curfer Daten zu übertragen so kann es bei längeren Fahrten dazu kommen dass die älteren noch nicht übertragenen Fahrten einfach verschwinden. Sorry aber das geht gar nicht. Natürlich ist bei diesem System die Wahrscheinlichkeit klein aber gerade bei vielleicht auch privat nutzbaren Dienstwagen kann das durchaus vorkommen dass ein paar Fahrten ohne das verbundene Handy stattfinden…

Pro & Contra

++ Winzig und unauffällig
++ Verhältnismäßig günstig
++ gute Einsicht in die Basisdaten des Fahrzeugs
++ lt. Hersteller hat der Curfer keine „Schreibrechte“ am OBD Bus des Autos
++ dank Erfolgen und Wertungssystem Anreiz das Fahrverhalten zu mäßigen
++ gute Einsicht statistischer Streckendaten
— keine wirkliche Auswertung vom  z.B. Fehlerspeicher des Fahrzeuges
— Synchronisation der Fahrten nicht meist nicht Tagesaktuell
— Speicher für Fahrtdaten unzureichend klein

FAZIT

Also, nachdem ihr das nun alles gelesen habt: Ist der Curfer zu empfehlen? Also ich für mich kann sagen: JA. Ich mag Statistiken und ich fahre gerne spritsparend und autoschonend. Umgekehrt mag es Autobahnheizer und Kurvenräuber genauso viel Spaß machen mit möglichst null Punkten aus jeder Fahrt hervorzugehen. Solange man sich an die Verkehrsregeln hält und niemanden gefährdet ist dagegen ja nix einzuwenden. Ob der Curfer aber für den „Otto normal Fahrer“ eine lohnenswerte Investition ist, sei dahingestellt. Was der Curfer nämlich nicht kann, ist es, Fehlermeldungen auszulesen und anzuzeigen; und genau das dürfte ein Feature sein, das viele Autofahrer interessiert. Für jene von uns, die aber z.B. beruflich sehr viel unterwegs sind, kann der Curver das leidige Fahrtenbuch einfach automatisch ersetzen. Einfach mit Motory verbinden und schon kann jeder Fahrt „privat“ oder „Fahrt zur Arbeit“ usw. zugewiesen werden. Ich finde den Curfer ein sehr praktisches und empfehlenswertes Produkt, allerdings sollte sich jeder überlegen, ob der Kauf für den persönlichen Einsatzzweck auch lohnt.

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