Vernetzte Lautsprecher wie sie sein sollen: Sonos Play:1 im Test

Sonos-Play-1Relativ lange Zeit war mir zwar „Sonos“ ein Begriff, ich konnte aber nicht wirklich etwas damit „anfangen“. „Es gibt doch Airplay – wozu ein separates System“ war mein erster Gedanke und „über 200€ für einen kleinen Lautsprecher??“ war der zweite (Gedanke). Airplay ist aber so eine Sache und kann schon mal herumzicken, zudem kommen die Signale nur bedingt zeitgleich an mehreren Lautsprechern an und wirklich „gruppieren“ oder kombinieren kann man das System eigentlich nicht. Bluetooth lassen wir gleich mal ganz außen vor, das hat mit Vernetzung ja nun genau nix zu tun.

Zwei Monate habe ich die kleinsten Sonos Lautsprecher, die „Play:1“ eingehehend getestet. Und nun gucken wir mal, ob das System hält, was es verspricht!

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Verpackung & Lieferumfang

Der Erste Eindruck: Schick. Sowohl die Verpackung ist stilvoll als auch die Lautsprecher selbst. Mitgeliefert wird ein Netzkabel, ein separates Netzgerät oder sonstiges Zubehör wird erfreulicherweise nicht benötigt.

Design

Ich empfinde die Play:1 als wirklich hübsche und vor allem extrem gut verarbeitete Lautsprecher. Natürlich hat jeder Lautsprecher dieser Größe durchaus Ähnlichkeit mit einem Computerlautsprecher, in diesem Fall ist das Design aber sehr gut gelungen, wie ich finde. Auffallend ist auch das hohe Gewicht jeder Box – sicherer Stand ist da garantiert.

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Die Lochblende, welche an der Front die Lautsprecher abdeckt, zieht sich einmal rundherum, das Stromkabel wird unten angesteckt und nach hinten herausgeführt. Sieht wunderbar schlicht aus. An der Oberseite finden wir einen Play/Pause Knopf sowie einen Ein/Ausschalter und natürlich die Lautstärkeregelung sowie und eine Status-LED. Der Kunststoff des Gehäuses ist matt ausgeführt und wirkt sehr hochwertig. Rückseitig befindet sich ein Ethernetanschluß sowie ein Metallgewinde um die Lautsprecher, auf Wunsch, auch an einer Halterung montieren zu können. Auf einen Aux-Ausgang um z.B. das Sonos Signal auch in eine „klassische“ HiFi Anlage einzuspeisen, muss man aber leider verzichten.

Insgesamt: Einfach hübsch und zudem nicht nur in schwarz sondern auch in weiß verfügbar.

Installation

Zwar ist „Bluetooth-Pairing“ noch einen Tick schneller, für ein komplexes System mit Mesh-Netzwerk und synchroner Audioausgabe, auf Wunsch im gesamten Haus, ist das Sonos Setup aber ein Kinderspiel. Also echt jetzt, absolut keine Rätsel.

Zunächst wird die Sonos App installiert. Wahlweise für iOS, Android oder natürlich auch den Mac.

Sonos Controller (AppStore Link) Sonos Controller
Hersteller: Sonos, Inc.
Freigabe: 4+
Preis: Gratis Appstore >

Nun kann man sich auf Wunsch mit einem etwaig bestehenden Sonos System verbinden oder selbiges eben neu einrichten. Dabei wird man mit Text und Bildern durch den Vorgang geleitet und binnen weniger Minuten ist das Setup abgeschlossen. Jedem Lautsprecher wird ein Raum zugewiesen, in meinem Fall „Wohnzimmer“ und „Bad“ und schon kann’s losgehen.

Trueplay

Neu hinzugekommen zum Sonos System ist die „Trueplay“ Funktion, welche den (ohnehin sehr guten) Klang nochmals verbesern soll, indem die Charakteristik des Raumes, also ggf. z.B. „stehende Wellen“ vom Bass, erkannt werden sollen und der Klang dahingehend optimiert werden soll. Sind im System nicht optimierte Lautsprecher vorhanden, so weist die App darauf hin, und leitet einen auch hier bequem durch das Setup.

In meinem konkreten Fall vermerkte die App, die Lautsprecher seien bereits sehr gut platziert und Trueplay müsse nicht groß etwas verbessern. Auch gut 😉

Wie funktioniert’s?

Nun, ich will hier nicht zu sehr technisch ins Detail gehen – aber grundsätzlich gibt es zwei Funktionsweisen. Wird einer der vorhandenen Sonos Lautsprecher über ein Netzwerkkabel mit dem „Internet“ verbunden, so können alle kompatiblen (Streaming) Dienste direkt genutzt werden; in diesem Fall bauen die Lautsprecher zudem untereinander ein vom eigenen WLAN unabhängiges Netzwerk auf das entsprechend auch unabhängig davon ist, ob z.B. gerade ein großer Download läuft oder alle Macs Backups am Heimserver ablegen. In diesem Fall schicken die Lautsprecher zudem untereinander das Signal weiter – ideal wenn kein (weiterer) WLAN Repeater eingesetzt werden soll, um etwaig entlegene Flecken in der Wohnung oder im Haus zu erreichen.

Bis zu einem vorangegangenen Softwareupdate war diese Betriebsart übrigens sogar die Einzige, die das Sonos System unterstützte. Mittlerweile können die Lautsprecher aber auch ohne physische Netzwerkverkabelung aufgestellt werden und nutzen dann das während dem initialen Setup definierte (vorhandene) WLAN (mit den oben genannten Nachteilen).

Ein weiterer wichtiger Baustein ist die oben verlinkte App „Sonos Controller“. Ohne diese App läuft mal gar nichts. Also wirklich, nix, keine Musik. Alles was in irgend einer Form über die Sonos Lautsprecher abgespielt werden soll, läuft über diese App. allerdings, wenn z.B. Webradio gehört werden soll, dann streamen das schon die Lautsprecher; selbst dann, wenn das iPhone zwischenzeitlich mit leerem Akku in der Ecke liegen sollte, funktioniert dies dank der vorhandenen Hardwaretasten. Ein Senderwechsel wiederum aber kann nur über die Sonos App erfolgen.

Dies im Grunde ist eigentlich auch der einzige Kritikpunkt – wobei ich sagen muß, dass die App absolut fehlerfrei läuft, nur Apple Music kann sie (derzeit) leider noch nicht.

Sonos Conroller

Wie schon erwähnt ist der Sonos Controller ein Muß. Ohne diese App bleiben die Lautsprecher leider stumm, ein Streaming via Bluetooth oder Airplay ist leider nicht möglich. Fairerweise sei aber gesagt, dass das Sonos System den anderen überlegen zu sein scheint. Weit überlegen.

Grundsätzlich erinnert die Sonos App stark an die Apple Musik App. Wird Musik wiedergegeben so wird das Cover groß angezeigt, die üblichen Steuerelemente sind selbsterklärend und über die Raumauswahl können jederzeit mehrere Räume zu Gruppen zusammengefügt werden. Einziges Manko: Zwar gibt es einen „Partymodus“ der mit einem Klick alle verfügbaren Lautsprecher zu einer Gruppe zusammenfasst, man kann aber nicht vordefinierte Gruppen aus mehreren Räumen erstellen. Verfügbare Räume können übrigens natürlich getrennt voneinander beschallt werden – ebenso natürlich aber auch vollkommen synchron mit dem selben Musikstück. Perfekt.

Neben der am Telefon, Tablet oder dem Mac gespeicherten Musik können  zudem auch Netzlaufwerke, die Musik beinhalten, integriert werden.

iPhone

Mac

Betriebsarten und kompatible Dienste

Grundsätzlich kann der Play:1 als eigenständiger (mono) Lautsprecher betrieben werden oder mit einem zweiten Play:1 zu einem Stereopaar verbunden werden. Damit ersetzen zwei Play:1 mit einem Zuspielgerät quasi schon fast eine Stereoanlage! Sehr fein.

An kompatiblen Musikdiensten gibt es eine ganze Menge. Natürlich ist Spotify, Amazon Music und Google Play Music mit von der Partie. Allerdings fehlt Apple Music und auch das erst kürzlich in Deutschland und Österreich gestartete „Amazon Prime Music“ wird derzeit (noch) nicht unterstützt. Ärgerlich, denn obwohl das Sonos System so gut funktioniert, wird man genau bei diesen Punkten in die Schranken gewiesen.

Wer z.B. seinen Mac als Server laufen lässt kann zudem auch eine entfernte iTunes Mediathek als Quelle angeben und Sonos sogar anweisen, die vorhandenen Medien zum festgelegten Zeitpunkt oder Intervall automatisch zu aktualisieren. Natürlich sollte die Mediathek aber auf einem allzeit verfügbaren Server liegen 😉 Bei allen Netzwerk oder Internet Quellen kann die Wiedergabe jederzeit mittels der Hardwaretasten am Play:1 pausiert und jederzeit fortgesetzt werden. Internetradio spielt einfach weiter, pausierte Tracks von z.B. Google Play Music setzen genau dort fort, wo man pausiert hatte. Wird natürlich Musik vom Telefon wiedergegeben, so muss sich selbiges im gleichen Netzwerk befinden.

Klang

Seit den Logitech Z600 Lautsprechern hat mich kein Lautsprecher dermaßen überrascht wie der Play:1. Der Play:1 überzeugt mit ausgewogenen Mitten, klaren Höhen und unangestrengtem satten Bass, natürlich immer der Größe entsprechend. Dabei ist der Klang top, selbst bei höheren Lautstärken und dank des leistungsstarken eingebauten Verstärkers muss selbst zur kleinen privaten Partybeschallung selten die volle Lautstärke ausgenutzt werden. Wenn man Kritik üben möchte, so könnten die Höhen noch eine kleine Spur klarer sein, die Play:1 sind eher mittenbetont ausgelegt. Hier motzt man allerdings, wenn überhaupt, auf extrem hohem Niveau.

Verbesserungswünsche

Im Grunde gibt es nur ausgesprochen wenige Punkte, die verbessert werden müssten:

  1. Ich würde mir z.B. eine Möglichkeit wünschen, dauerhaft Räume bzw. Gruppen oder Szenen anlegen zu können. z.B. Wohnküche oder 1. Stock um so alle sich in der betreffenden Gruppe befindlichen Lautsprecher ansprechen zu können. Derzeit können zwar Räume gruppiert werden, soll aber z.B. ein Lautsprecher in einer anderen Gruppe verwendet werden, muß dies neu definiert werden.
  2. Nachdem z.B. TuneIn und Spotify wunderbar funktionieren, würde ich mir auch Apple Music und Amazon Prime Music wünschen.

Das gefällt

  1. Einfache Installation und genial einfache Nutzung. Taste „Play“ drücken und eine zuvor pausierte Wiedergabe wird nahtlos fortgesetzt.
  2. Absolut synchrone Wiedergabe auf mehreren Lautsprechern – das ganze Haus ist wunderbar einfach und verzögerungsfrei so zu beschallen.
  3. Stabiles Mesh-Netzwerk ohne das eigene WLAN zu belasten. „It just works“
  4. Tolles Design, sowohl der Lautsprecher als auch der App, zudem große Auswahl verschiedener Lautsprecher.
  5. Möglichkeit, zwei Play:1 zu einem Stereopaar zu verbinden.
  6. Zwar sind die Play:1 nicht wasserfest, dennoch aber so konstruiert, dass der Hersteller sie dezidiert auch für den Einsatz z.B. im Regal im Badezimmer vorsieht.
  7. Sehr guter und kräftiger Klang

Fazit

Wie konnte ich Sonos so lange ignorieren? Top Lautsprecher mit super Klang, einfacher Bedienung und endlich absolut synchroner Wiedergabe über das ganze Haus verteile – super. Klar, mit ca. 229€ pro Lautsprecher (beim Hersteller) ist das System nicht günstig, wohl aber jeden Cent wert. Wer natürlich im Ein-Zimmer-Appartement wohnt, wird wenig Verwendung für Sonos haben, alle anderen werden begeistert sein! Speziell seit die „Bridge“ nicht mehr zwingend notwendig ist, liefert der Hersteller hier ein hochwertiges, einfaches und vor allem zuverlässiges System um Musik in allen Ecken des Hauses genießen zu können.

 

6 Antworten auf „Vernetzte Lautsprecher wie sie sein sollen: Sonos Play:1 im Test“

  1. War Anfangs auch sehr skeptisch, aber bin seit Anfang des Jahres begeisterter Besitzer eines Sonos Systems. Angefangen hat es mit dem Play:1 Blue Note, dann kamen zwei Play:3 dazu und aktuellste Errungenschaft ist ein Play:1 Tone in weiß.

    Was ich noch erwähnenswert finde ist, dass man für kleines Geld das iPod Dock auf eBay bekommen kann. Offiziell ist es ja nicht mehr im Handel erhältlich, funktioniert aber trotzdem noch mit der aktuellsten Software und ist für unter 20,- zu bekommen. Einzige Voraussetzung ist, dass entweder ein Sonos Lautsprecher an einem Netzwerkkabel hängt, oder eine Sonos Bridge (auf eBay 10 – 15 €) vorhanden ist. Die Steuerung der Tracks, Playlisten, etc. funktioniert dann ganz normal über die Sonos App. Auf jeden Fall eine Alternative, falls man kein Netzlaufwerk hat 😉

    PS: hast du eigentlich mal wieder ein Podcast-Projekt in Planung? Oder ist das Thema für dich (euch/Touchtalk-Team) erst mal ad acta gelegt?

    1. Hi Mirko,
      super tip mit dem iPod Dock!! 😀

      Und nein, Podcast ist für mich leider kein Thema mehr. Der Aufwand, speziell wenn das Ganze qualitativ OK sein soll, steht leider in keiner Relation zum Mehrwert (für mich jetzt).

      1. Das Dock könnte auch eine Möglichkeit sein, Apple Music ohne ein Play:5 (Line In) ins Sonos-System zu bekommen? Falls man nen iPod Touch mit Dock-Connector hat, der auch Apple Music unterstützt. Hab dafür aber keinen Test, ob das überhaupt geht ;D

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