Netatmo Welcome: Die familiäre Heimkamera

6_v_mEs gibt diverse Home-Security Lösungen am Markt. Netatmo, eigentlich von der Wetterstation her bekannt, verfolgt mit der „Welcome“ genannten Kamera ein etwas anderes Konzept. Die Welcome nämlich versucht die Bewohner der Wohnung bzw. des Hauses zu erkennen und kann dann, auf Wunsch, andere Bewohner benachrichtigen. Wie gut dies im Alltag funktioniert, haben wir uns für euch angesehen.

Verpackung & Lieferumfang

Die Verpackung ist schlicht und hell und zu großen Teilen aus Karton. Löblich. Mitgeliefert wird ein Netzgerät mit Micro-USB Anschluss sowie die eigentliche Kamera und eine Micro SD Karte. Mehr braucht’s auch nicht, um loszulegen.

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Einrichtung

Wie schon von anderen Netatmo Produkten bekannt erfolgt die Ersteinrichtung über Bluetooth und ist schnell erledigt. Man lädt die zugehörige App aus dem Appstore und folgt einfach den Anweisungen. Da Netatmo auf die Integration jeglicher Tasten und Bedienelemente verzichtet hat gibt’s für die Einrichtung eine Spezialfunktion: Um die Kamera „paarungsbereit“ zu machen, wird sie einfach umgedreht bis eine blaue Lampe zu leuchten beginnt. Daraufhin wird die Kamera von der App erkannt und kann eingerichtet werden.

Hinzuzufügen sei noch, dass natürlich für die Bedienung ein Netatmo-Account benötigt wird. Wer bereits die Wetterstation sein Eigen nennt, hat natürlich schon solch Account.

Design

Kurz beschrieben handelt es sich bei der Welcome um einen schlanken matt-goldenen Aluminiumzylinder mit einem schwarzen Einsatz an der Front. Schick! Obwohl ich kein großer Fan goldener Geräte bin – klassisch silbriges Aluminium hätte ich hübscher empfunden, zumal die Welcome sich dann perfekt mit der Wetterstation integrieren würde. Vermutlich aber war genau das die Intention des Herstellers, durch die Farbe die Geräte besser unterscheidbar zu machen.

Auf Tasten oder sonstige Bedienelemente verzichtet Netatmo bei der Welcome. Auf der Rückseite finden wir lediglich den Slot für die MicroSD Karte sowie den Stromanschluss.

Positionierung

Einer der wichtigsten Punkte, will man die Welcome im eigenen Heim erwerben, ist die Positionierung der Kamera. Zu Beginn meines Tests hatte ich die Kamera im Eingangsbereich auf einem Tischchen aufgestellt – mit mäßigem Erfolg. Die Erkennungsrate war sehr niedrig – de facto wurden Personen nur dann erkannt, wenn sie ausdrücklich genau in die Kamera blickten – das ist natürlich nicht wirklich im Sinne des Erfinders.

Grundsätzlich sollte die Kamera nach Möglichkeit in Augen- oder Brusthöhe eines durchschnittlich großen Menschen aufgestellt werden, im Eingangsbereich und mit sagen wir mal 2-3 Metern Abstand zur Tür. Und natürlich sollte das Licht der Wohnung beim Betreten die Person möglichst anleuchten und nicht die Person nur von hinten beleuchtet werden.

Ich habe nach dem ersten Test am Gang mangels besserer Positionierungsmöglichkeit die Kamera kurzerhand in den Wohnraum verfrachtet. Zwar mit etwas großem Abstand zum potentiellen Erkennungsopfer aber immerhin gut ausgeleuchtet und in guter Höhe. Die Erkennungsrate wurde damit schlagartig besser, dazu aber mehr weiter unten.

Konzept & Erkennungsgenauigkeit

Welcome will eigentlich keine „Sicherheitskamera“ sein, sprich, weder können derzeit Bereiche von der Bewegungserfassung ausgeklammert werden, noch reicht die eingebaute Infrarot-LED weit genug um bei Dunkelheit wirklich gestochen scharfe Aufnahmen zu erzeugen. Welcome wurde eher dazu entwickelt um Personen automatisch zu erkennen und so den anderen Familienmitgliedern sagen zu können, dass Person A nun zu Hause ist oder aber ein unbekanntes Gesicht erkannt wurde.

Grundsätzlich erkennt Welcome Nutzer recht zuverlässig, immer vorausgesetzt, der Lernzyklus der Kamera wurde schon abgeschlossen. Um dies zu bewerkstelligen muss die Kamera eine ganze Menge Aufnahmen ihrer Benutzer sammeln. Der Administrator der Kamera muss sodann „unbekannte“ Gesichter einem Profil zuordnen oder eben löschen. Je konsequenter man dies erledigt, desto höher wird die Genauigkeit.

Übrigens: Ich würde davon abraten, die Kamera in die Nähe des Fernsehers zu stellen. Denn dies führt zu einer Flut erkannter unbekannter Gesichter. Auch dies habe ich natürlich für euch getestet 😉

Natürlich bietet Welcome auch an, die Kamera mit anderen Nutzern zu „teilen“, sprich, ein zweiter Bewohner des Hauses kann mit seinem eigenen Netatmo Account ebenfalls auf die Kamera zugreifen und so ebenfalls Benachrichtigungen über das Kommen und Gehen im Haus erhalten.

Bildqualität

Hinsichtlich der Bildqualität stellt sich bei der Welcome leider recht schnell Ernüchterung ein. Selbst bei Tageslicht sind Farben und Schärfe eher „verwaschen“ und die Bilddarstellung leicht verzerrt. Rein, was die Bildqualität angeht, gibt’s andere Kameras, die das viel besser können – allerdings eben nicht mit der Personenerkennung! Softwareseitig könnte Netatmo aber durchaus nachbessern um z.B. den Zugriff auf die Kamera noch etwas zu beschleunigen oder auch das Kamerabild zu entzerren.

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Im Alltag

Eine abgeschlossene Erkennung (= Profilerstellung) der einzelnen Bewohner des Hauses bzw. der Wohnung vorausgesetzt ist die Erkennungsrate gut und es dürfte, speziell bei Familien mit z.B. mehreren Kindern sicher durchaus praktisch sein, auch vom Büro aus einen schnellen Überblick zu erhalten, wer gerade zu Hause ist, und wer nicht. Ob sich dieses Konzept auf Dauer für Netatmo rentieren wird, sprich, es genug Käufer findet, sei dahingestellt – zumal Welcome nicht zu Homekit kompatibel ist.

Einen großen Pluspunkt kann ich dank der IFTTT Integration verbuchen. So kann man z.B. verschiedene Lampen (leider nicht Szenen) des Hue Systems einschalten, abhängig von der Person, die nach Hause kommt, oder sich Emails mit entsprechenden Screenshots senden lassen usw. Super.

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Die App

Bei einem Gerät, welches auf die zugehörige App nicht nur zur Einrichtung sondern auch zur täglichen Bedienung angewiesen ist, ist natürlich die Bedienbarkeit einer der wichtigsten Punkte für die Bewertung. Leider muss hier Netatmo unbedingt nachbessern. Die App funktioniert zwar anstandslos aber leider nicht intuitiv. So muss man z.B. bei Erkennung neuer Gesichter erst das Videofenster nach unten schieben und dann länger auf das Gesicht tippen um dann Identifizieren zu wählen. Logischer wäre hier, einerseits 3D Touch für neuere Geräte oder die bekannte Wischgeste – z.B. nach rechts wischen um Identifizieren oder Zuordnen zu wählen, oder das bekannte nach links Wischen um das erkannte Gesicht (oder eine falsche Bewegungserkennung) zu löschen.

Die Welcome will auch Smarte Benachrichtigungen bieten. Das funktioniert meist gut, aber oftmals erkennt die Kamera ohne zugehöriges Videobild nicht, dass sich Bewohner des Hauses nach Abwesenheit wieder zu Hause eingefunden haben. Dann wird eine Person als abwesend dargestellt, obwohl sie wieder da ist. Gerade, da die App auch Geofencing unterstützt und das Handy ja zu Hause ohnehin mit dem heimischen WLAN verbunden ist, ist dies unverständlich.

Netatmo Security (AppStore Link) Netatmo Security
Hersteller: Netatmo
Freigabe: 4+
Preis: Gratis Appstore >

Und wer dann z.B. die Kamera irrtümlich so aufgestellt hat, dass die den Fernseher erwischt, der muss dann jedes falsch erkannte Gesicht einzeln löschen, denn an eine schnelle Auswahlmöglichkeit hat der Entwickler leider ebenfalls nicht gedacht.

Oder „unbekannte Gesichter“ – tippe ich länger auf eines der „unbekannten“ Gesichter in der Timeline, so bietet mir die App nur die Möglichkeit, das Ereignis zu löschen anstatt das Gesicht zu identifizieren… Wie gesagt, die App funktioniert, aber sie bedarf durch diese unlogischen Vorgänge merklich längerer Eingewöhnungszeit als notwendig wäre.

Zu guter letzt muss man auch erwähnen, dass jedes Familienmitglied, um mehr oder minder zuverlässig zu erkennen, ob es das Haus verlassen hat, auch die Netatmo Welcome App installiert haben muss. Nur dann wird das Verlassen des Hauses auch an das System übermittelt. Man kann zwar auch manuell Personen als abwesend markieren, aber diese Erkennung automatisch zu erledigen ist dann natürlich eher das Ziel. Außerdem aber benötigt dann jedes Familienmitglied wiederum einen Netatmo Account  und man muss erst mal die Möglichkeit in der App finden, um Personen zur Welcome „Einzuladen“. So muss man in die Einstellungen gehen, das eigene Heim auswählen um dann ganz unten einen Nutzer hinzufügen zu können. Auch diese Funktion sollte direkt über erkannte Gesichter bzw. Personen abrufbar sein. Direkt über eine Wischgeste, langes Drücken oder 3D Touch.

In der Live-Video-Ansicht wird übrigens hier nicht nur Video, sondern auch Ton übertragen! Fein!

In Summe reicht’s aber nur für  eine gut gemeinte mittelmäßige Bewertung der App.

Positiv hingegen: Auf Wunsch werden Benachrichtigungen sogar auf der Apple Watch dargestellt, inklusive Foto und erkannter Person.

Webbroswer

Meldet man sich unter Netatmo.com mit dem eigenen Netatmo Account an, so kann man neben der Wetterstation auch die Kamera abrufen. Leider lassen sich hier keine Einstellungen vornehmen, man sieht aber, welche Personen sich gerade im Heim befinden, welche nicht, und man kann die Zeitleiste der erkannten Ereignisse einsehen. Schön gelöst, um nicht ganz so abhängig von der App zu sein.

Datenschutz?

Besonders gut gefallen hat mir die Tatsache, dass die Welcome Kamera ihre Daten (Fotos & Videoclips) nicht auf Netatmos Servern speichert, sondern auf einer Micro-SD Karte auf ihrer Rückseite. Natürlich empfinde ich es auch als ausgesprochen gut, dass Netatmo nicht, wie Withings Home, ein Bezahlmodell für eine Sicherheitslösung anbietet. Top! Eine Micro SD Karte ist im Lieferumfang, bei meinem Testmuster war es eine 8GB Karte. Wird die SD Karte entfernt, so stoppt unverzüglich die Videoaufzeichnung. Leider aber ist die Karte nach Verwendung in der Kamera nicht am Mac auslesbar. Minuspunkt.

Pro & Contra

++ Schlank und schick
++ sehr hochwertige Verarbeitung
++ nach dem Training gute Gesichtserkennung
++ intelligente Benachrichtigungen, wenn bekannte oder unbekannte Personen das  Heim betreten
++ Webbrowser-Interface
++ Übermittlung von Audio- und Video
++ Wahrung der Privatsphäre da nur auf Micro SD Karte aufgezeichnet wird, anstatt an einen Server zu übermitteln

— Eher mäßige Videoqualität
— App zu umständlich und zu wenig intuitiv zu bedienen
— Bewegungserkennung teilweise zu ungenau
— Preis zu hoch für die gebotene Videoqualität

Fazit

Netatmo bietet mit der „Welcome“ eine top verarbeitete und hochwertig designte Kamera. Persönlich hätte ich mir zwar silbriges anstatt dem güldenen Aluminium gewünscht, aber gut, Gusto und Geschmäcker sind ja bekanntlich unterschiedlich. Da die Welcome sich auf Personenerkennung spezialisiert hat und diesen Task gut erledigt, kann über die grundsätzlich eher maue Bildqualität zu großem Teil hinweggesehen werden, die App bedarf aber dringend Verbesserungen hinsichtlich der Bedienbarkeit – viele Funktionen sind einfach nicht selbsterklärend und wären teilweise prädestiniert für z.B. 3D Touch. Ob die Welcome für die Anforderungen der jeweiligen Person das richtige Gerät ist, muß jeder für sich entscheiden. Persönlich würde ich zwar zu einem anderen Gerät greifen, da die Personenerkennung für mich weniger relevant ist, grundsätzlich ist die Kamera aber gut gelöst und für Familien oder größere WGs durchaus empfehlenswert.

5 Antworten auf „Netatmo Welcome: Die familiäre Heimkamera“

  1. Wie schaut’s denn mit der Wärmeentwicklung aus? Ich hatte das Teil vor ein paar Monaten getestet, es aber umgehend zurückgeschickt, weil es extrem heiß wurde (so heiß, dass man es nicht mehr anfassen konnte) – das war mir dann zu riskant (Brandgefahr).
    Lt. Netatmo hat man dies nun mit Software-Updates in den Griff bekommen – kannst du das bestätigen?

    1. Hi Georg, also ich kann bestätigen, dass die Kamera durchaus merklich warm wird im Betrieb, das dürften deutlich über 30 Grad sein, geschätzt eher 40. Dass man sie nicht mehr anfassen kann, kann ich nicht bestätigen und von Brandgefahr würde ich auch nicht ausgehen. Ich würde da dann eher einen erhöhten Stromverbrauch vermuten, konnte dies aber mangels Messgerät nicht verifizieren. Grundsätzlich ist aber auch mit Blick auf die Lebensdauer ein im Betrieb kühleres Gerät besser.

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