Es gibt ja Lautsprecher, und es gibt Lautsprecher. Preislich gilt für hochqualitative Lautsprecher “the sky is the limit”. Und jeder, der schon einmal Lautsprecher gesucht hat, die gehobenen Ansprüchen genügen sollen, wird wissen, dass meist gute Qualität mit einem tiefen Loch in der Brieftasche einher geht.

Die Libratone Geräte zählen ohne Zweifel zum hochpreisigen Segment der Airplay kompatiblen Lautsprecher. Wir möchten uns aber nun, von Ohr zu Ohr, ansehen, ob eine eine Investition in den “Libratone Lounge Speaker” das Geld wert ist. Ganz ohne wissenschaftliche Klanganalyse und rein nach “Bauchgefühl”.

Inbetriebnahme

Betrachtet man die Libratone Lautsprecher genauer, so fällt auf, dass diese Lautsprecher fast immer nur einen Knopf haben. Den Ein- und Ausschaltknopf mit dem Vögelchen. Mehr Bedienelemente werden auch nicht benötigt. Allerdings ist dann immer die Frage: Wie einfach ist es, solch Lautsprecher in eine bestehende Infrastruktur, sprich, ein bestehendes WiFi zu integrieren?

Libratone hat sich durchaus Gedanken gemacht, wie es dem unter Umständen unbedarften Neuling einfach gemacht werden könnte, das Gerät in Betrieb zu nehmen. Wir finden eine Karte mit vier Laschen. Auf jeder Lasche steht klar lesbar ein Weg der Inbetriebnahme. “Setup MAC”, “Setup WPS Router”, Setup über iPad, iPhone oder iPod Touch sowie “Setup PC”.

Prinzipiell: Ohne WLAN geht hier nix, was das Setup betrifft! Aber genau aus dem Grund kauft man sich ja auch einen Airplay kompatiblen Lautsprecher ;-)

Wird das Gerät das erste Mal mit dem Stromnetz verbunden und über den einen Schalter eingeschaltet, so pulsiert das Vögelchen zunächst gelb um danach schnell rot zu blinken, was, laut Anleitung, eine Bereitschaft zum Setup signalisiert. Der Rest ist einfach: Mit dem iOS Gerät oder dem Mac anstatt mit dem heimischen WiFi sich einfach mit dem nun vorhandenen “Libratone” Netzwerk verbinden, Browser starten, 192.168.1.1 in der Adressleiste eintippen und Enter drücken. Nun kann dem Lautsprecher sein Airplay-Name vergeben werden, und das gewünschte heimische WiFi gewählt werden. Passwort eintragen und schon ist der Libratone Lounge mit dem heimischen WiFi verbunden und kann künftig von Airplay Geräten auch direkt angesteuert werden. Das alles wird schön bebildert auf den eingangs erwähnten “Kärtchen” dargestellt. Vorbildlich! Nachher aber nicht vergessen, das iPad/iPhone oder den iPod Touch/Mac wieder mit dem üblichen WiFi zu verbinden ;-)

Design

Einen Libratone Lautsprecher werden eher Menschen kaufen, die auch (großen) Wert auf Optik legen. Alles an diesem Gerät spricht mit samtweicher Stimme von schönem, hochwertigem und augenschmeichelndem Design.

Die Farben des Lautsprechers definieren sich durch die Bespannung. Diese ist aus dicker Kaschmir-Wolle gefertigt und in den Farben grau, schwarz, beige, rot sowie grün erhältlich. Erfreulich auch die Möglichkeit, die Bespannung gesondert nach zu bestellen, sollte sich der Geschmack oder die Wohnung mal doch wieder ändern.

Das Gerät ist mit einer Tiefe von nur 12cm zudem auch sehr schlank, was ein Board oder die Wand selbst zu einem hervorragenden Aufstellungsort macht. Da Libratone die Anschlüsse auf der Rückseite mittig und nach unten weisend angebracht hat, zudem eine robuste Metallplatte zur direkten Wandbefestigung genauso wie Schrauben und Dübel gleich mitgeliefert werden, kann das Gerät quasi “schwebend” angebracht werden.

Erfreulich übrigens auch, dass der Klinkenstecker (der einzige Anschluss für externe Geräte am Libratone Lounge) ebenso nach unten weist. Und nein, natürlich sind die Anschlüsse nicht an der Unterseite ;-) An einen Hauptschalter wurde übrigens ebenfalls gedacht, sehr löblich.

Die Oberseite des Lautsprechers hingegen ist immer hochglänzend weiß, was die schlanke und edle Optik weiter unterstreicht.

In Summe läßt sich das Design mit “edel” und “hochwertig” bezeichnen.

Libratone App

Libratone stellt Geräte für’s jetzt her und hat entsprechend eine kostenlose iOS App im Sortiment. Einmal aus dem Appstore geladen kann damit der gewünschte Libratone Lautsprecher angewählt werden und z.B. die Klangwiedergabe optimiert werden.

Zum eigentlichen Klang kommen wir gleich. Aber diese Einstellungen sind durchaus hilfreich um den Klang an die gewünschte Musik anzupassen. Hier wird nicht mit “Holzhammer-Equalizern” gearbeitet sondern fein abgestimmte Profile angewandt die tatsächlich alle gut klingen und “Sinn” machen. Joan Baez z.B. klingt mit der “Jazz Club” Einstellung einfach noch einen Tick harmonischer als mit “Neutral”.

Über die App kann beim Lounge Speaker aber auch der Aufstellungsort an sich optimiert werden. Schließlich macht es klanglich sehr wohl einen Unterschied, ob das Gerät mit Abstand zur Wand, oder direkt an selbiger montiert wird, ob er am Boden oder auf einem Board steht usw. Auch Softwareupdates für den Lautsprecher können direkt über die App installiert werden. Nochmal: Vorbildlich. Vom Design her könnte die App vielleicht ein bisschen schöner sein, aber naja, wer guckt hier viel auf die App wenn die Augen am Lounge-Speaker ruhen?

Libratone (AppStore Link) Libratone
Hersteller: LIbratone A/S
Freigabe: 4+
Preis: Gratis Appstore >

Der Klang

Hier werden sich, ohne Zweifel, immer die Geister scheiden; denn obwohl es einige (wenige) wirklich audiophile Menschen geben mag, dürfte der “Rest” einfach, so wie ich, gute, wohlklingende Musik schätzen. Sprich, Bässe sollten satt klingen, nicht wummern und nicht dröhnen, Höhen sollten klar und unverfälscht reproduziert werden und zu guter letzt sollten natürlich auch Mitteltöne (hauptsächlich Stimmen) möglichst über ihr gesamtes Frequenzspektrum verzerrungsfrei wiedergegeben werden.

Kann das der Libratone Lounge? Ja, wenn ihr MacManiacs fragt. Der Libratone Lounge Lautsprecher reproduziert Stimmen und Musik hervorragend, Bässe klingen satt und es ist ein Genuss Musik über diesen Lautsprecher anzuhören. Natürlich, wie jeder Lautsprecher, setzt auch hier die Physik dem Klang Grenzen. Eine Box mit 200l Klangvolumen wird immer ganz andere Bässe reproduzieren können, als ein 12cm tiefer Lautsprecher. Deshalb gilt auch hier: Nach Möglichkeit probehören. Nach Möglichkeit mit der eigenen Musik probehören. Denn nur, weil der Verkäufer unz-unz-unz-bumm-bumm Mucke über die Libratones Jagt und IHM das gefällt, muss das nicht heißen, dass eure Opernarien EUCH auch gut gefallen. Und natürlich umgekehrt ;-)

Der Preis

Ja und hier haben wir ihn. Den Haken. (den einzigen Haken.) Libratone will für den Lounge Speaker ca. 1200€. Das ist viel Geld. Hätte ich das Geld “übrig” – ich würde sofort zuschlagen und 2-3 Stück im Domizil anbringen. Hab ich aber nicht, also muss das luxuriöse Testobjekt die Heimreise antreten.

Die Technik

  • Digitale Signalverarbeitung und “FullRoom acoustic technology“.
  • Airplay Kompatibel mit iOS 4.3.3 Geräten sowie Macs mit iTunes 10.2.2
  • 3,5mm Klinken-Anschluss für analoge und digitale (optisch über TOS-Link) Signale
  • 150W Verstärker (1x50W Bass, 2x25W Bändchen-Hochtöner  und 2x25W keramischer Mitteltöner)
  • Frequenzgang: 38 bis 20000Hz
  • Maximallautstärke: 103 dB SPL/1m
  • Maße: 22x100x12cm (HxBxT)
  • Gewicht: 12kg (woah!)
  • Materialien: Korpus aus Holz, Oberteil Klavierlack weiß, Bespannung aus italienischer Kaschmir-Wolle
  • Stromverbrauch: 80W Betrieb, 1W Standby
  • Packungsinhalt: Lautsprecher, Stromkabel, Wandhalterung inkl. Schrauben, optisches und analoges Kabel
  • Verfügbar in den Farben grau, schwarz, beige, rot und grün

Fazit

Ihr merkt schon, hier hat sich Begeisterung eingestellt. Libratone baut sehr gut klingende Lautsprecher. Wer viel Wert auf guten Klang legt und zudem modernste Technik wie Airplay und schlankes stylishes Design sucht, muss diese Lautsprecher in die engere Wahl nehmen und wird sie vermutlich lieben. Für 1200€ allerdings bekommt man aber vermutlich auch “normale” Lautsprecher die vielleicht gleich gut oder besser klingen und die man dann an eine separate Airport Express Station anschliessen könnte. Ja, könnte… die Frage ist aber dann immer, ob man das will.

Ich persönlich würde den Libratone Lounge sofort in die Wohnung holen. Nicht als Hauptlautsprecher an Receiver & Co. aber für jegliche andere Beschallungsaufgaben.