Feuer unterm Hintern: IO Hawk Cross Mini im Test

Also vor einigen Monaten “Hoverboards” aufkamen, dachte ich eigentlich an Szenen aus Zurück in die Zukunft und konnte mir so recht nix darunter vorstellen. Neuerdings fahren aber nun doch immer mehr Menschen, vielfach Kinder und Jugendliche, auf diesen “Dingern” durch die Gegend. Mittlerweile weiß auch ich, dass es sich hierbei um “Fahrbretter” mit je einem Rad links und rechts handelt, auf die man sich stellt um mit größerer oder geringerer Geschwindigkeit, wie mit einem Segway ohne den Haltegriff, durch die Gegend zu brausen. Aber, funktioniert das? Ist es einfach zu erlernen? Und: Macht das “Hoverboarding” eigentlich Spaß? Lies weiter um das zu erfahren 😉

Verpackung & Lieferumfang

Wie gesagt, ich ging an die ganze Sache vollkommen blauäugig heran. Entsprechend überrascht war ich dann ob der Größe der Schachtel und vor allem auch ob des hohen Gewichts. Klar, mit ein wenig Logik versteht jeder, der sich etwas mit Technik auseinandersetzt, dass solch Gerät, um mehrere Stunden mit bis zu 18km/h herumzubrausen, zu 90% aus Akkus bestehen muss. Und das führt zum Gewicht!

In der Verpackung finden wir eine kurze Anleitung, das bereits geladene Board und das zugehörige Netzgerät sowie einen Bügel um ggf. eine Actioncam zu befestigen. Erfreulicherweise wurde auch hier mit viel Karton gearbeitet. Wunderbar.

Inbetriebnahme

Also, wenn wir mal die Inbetriebnahme auf das technische reduzieren, so ist diese auf das Anstecken an’s Netzgerät reduziert, und nach erfolgter Aufladung auf das Drücken einer Taste am Board.

Der eingebaute Lautsprecher verkündet (leider nur auf Englisch): “Welcome to IO Hawk. Waiting for bluetooth connection”. Spätestens jetzt macht man sich auf in den Appstore um folgende App zu finden…

IO Hawk App

IO HAWK (AppStore Link) IO HAWK
Hersteller: Capteq GmbH
Freigabe: 17+
Preis: Gratis Appstore >

IO Hawk App bei Google Play

Die App ist ein netter Zusatz und kommt ohne Konfiguration aus. Startet man die App bei eingeschaltetem Cross Mini Hoverboard, so wird automatisch gleich der Akkuzustand sowie, im Falle einer Fortbewegung, auch die Fahrgeschwindigkeit angezeigt. Hier kann nun auch der gewünschte Fahrmodus: Anfänger, normal und fortgeschritten gewählt werden. Der Unterschied? 8km/h, 15km/h und 18km/h.

Ebenfalls eine schöne Funktion: Mit der App kann auch gleich die gefahrene Strecke mit GPS aufgezeichnet werden.

Qualitätsanmutung & Design

Ich geb’s zu: Bis das IO Hawk Cross Mini hier eintraf hatte ich Hoverboards nur als Spielzeug abgetan und keine großen Erwartungen an den Qualitätseindruck gestellt. Das Cross Mini hat mich dann aber sehr überrascht: Grundsolide und hochwertig, egal, wo man es anfasst. Da knarzt und knackt nix, auch nicht nach vielen Fahrtstunden. Super! Auch die massiven Aluminium Kotflügel tragen das ihrige zu dem guten Gesamteindruck bei.

Designmässig finde ich das Cross Mini durchaus OK, erfreulicherweise wurde auf zu viel Schnickschnack verzichtet und das Hoverboard sieht somit nicht wie ein herannahendes Ufo aus. Vorne finden wir weiße Leuchten, hinten rote Rückleuchten. Lediglich die LEDs für Lade- und Betriebszustand empfinde ich als zu hell und nicht als aussagekräftig. Für die Batterieladung hätte ich mir eine Anzeige aus mehr als drei LEDs gewünscht. Klar, drei links, drei rechts, das ist der Symmetrie geschuldet, aber das könnte man noch verbessern.

Aller Anfang ist schwer

Kann man’s also erlernen, das Fahren am Hoverboard? Klares JA. Schnell? NAJA. Also ich würde mich dann schon als sportlich mit nicht all zu schlechtem Gleichgewichtssinn bezeichnen. Ich brauchte ca. 10min um mich (relativ wackelig und uncool) fort zu bewegen. Nach einer vollen weiteren Fahrstunde war ich dann aber durchaus soweit, mich mit dem Cross Mini selbst über etwas buckeligeres Terrain (von Wurzeln etwas zerstörter Asphalt) fort zu bewegen ohne allzu uncool auszusehen. 😉

In Summe muss man sagen: Wie überall macht auch hier Übung definitiv den Meister. Nach zwei Fahrtstunden ist man in der Regel sicher genug unterwegs um entspannt und zügig durch die Gegend zu fahren.

Fahrtipps

Basierend auf meinen Erfahrungen:

  1. Wenn möglich, sucht euch einen Kumpel um die erste Fahrt zu machen und (ja, kein Scherz) an die Hand genommen zu werden; sieht zwar auch peinlich aus, allerdings viel weniger peinlich als, wie der Vollhonk wackelnd und ruckelnd, die ersten Minuten am Hoverboard zu absolvieren.
  2. Schutzbekleidung ist absolute Pflicht! Also wenn ihr plant, mit dem Hoverboard zu fahren, vergesst nicht auf Helm, Knie-, Ellenbogen- und Handgelenkschützer
  3. Bewegt euch damit auch wirklich nur auf lt. StVO erlaubten Strecken. Alle Straßen mit Autoverkehr würde ich, selbst wenn man ein erfahrener Hoverboarder ist, grundsätzlich meiden.
  4. Mit zunehmender Fahr-Erfahrung steigt auch die Geschwindigkeit die man sich traut, zu fahren. Entsprechend steigt aber auch das Verletzungsrisiko bei einem Sturz.
  5. Geht nicht mit halb aufgeladenem Board aus dem Haus. Selbst das kleine Cross Mini wiegt 11kg die man ungern schleppen will, sollte der Akku an unpassender Stelle dann in die Knie gehen.

Videoreview

Fahren

Nun, das Cross Mini schafft bis zu 18km/h. Und lasst euch eines sagen: 18km/h auf einem Hoverboard ist echt verdammt schnell; mehr als 15,2km/h habe ich nicht geschafft, davor verließ mich der Mut. 😉 Ja, ich geb’s zu. Außerdem muss man sagen, dass man diese Geschwindigkeiten eher nur auf extrem guten Asphaltstraßen erreichen dürfte denn sobald der Untergrund nicht vollends eben ist, wird das Board schnell instabil. Profi-Fahrer werden das vermutlich ausgleichen können. Ich hatte mich dann im Test auch schon mal mit einem Hechtsprung nach vorne (räusper) vom Board gerettet und blieb auf den Beinen; das Board überschlug sich aber… und hat nun einige Schrammen… ähem. Und nein, davon gibt es kein Video 😉

Wer nun aber vermutet, dass das Cross Mini geländetauglich sei, der irrt ein wenig. Ja, die 6,5″ Reifen haben zwar etwas mehr Profil als jene des kleinen Bruders, in Summe reicht aber die Bodenfreiheit nicht aus, um mehr als kleine Hubbel im Gelände zu überfahren. Selbst bei einer ausgetrockneten Pfütze kann es vorkommen, dass der Mittelteil aufsetzt. Vorsicht ist also geboten. Apropos Pfütze: das Cross Mini ist IPX4 zertifiziert, Regen und etwas feuchte Straßen sind also kein Problem. Durch Pfützen und tieferes Wasser zu pflügen sollte man aber tunlichst vermeiden.

Ich habe zwar keine anderen Hoverboards zum Vergleich, aber die Autobalance Funktion des Cross Mini finde ich auch als sehr gut gelöst. Schaltet man das Gerät ein, so werden sofort die beiden Trittflächen ausgerichtet und in der Waage gehalten. Das erleichtert das Aufsteigen ungemein; gleiches gilt auch für das “Stehen” am Board, lehnt man sich, so wie ich, chronisch zu weit nach hinten, gleicht dies das Board aus.

Akkulaufzeit

IO Hawk gibt an, man könne 2-3 Stunden bzw. 14-19km weit mit dem Cross Mini fahren. Anmerken muss man hier auch, dass das Cross Mini Personen mit bis zu 120kg befördern kann. Natürlich aber ändert sich die Akkulaufzeit bei einem vielleicht 40kg wiegenden Kind massiv hin zu einem durchschnittlichen 80kg Erwachsenen oder einem Hünen mit 120kg.

Ich wiege etwa 75kg und verbrauchte auf einer etwa 6km Fahrt 2/3 des Akkus. Das heißt, ich wäre auf etwa 9km Laufleistung gekommen, merkbar unter den Angaben des Herstellers. Allerdings habe ich leider auch die Angewohnheit,  mein Gewicht am Board zu sehr nach hinten zu verlagern, das Board muss also dies ständig ausgleichen was natürlich zu Lasten der Akkulaufzeit geht und da ich mit dem Board einen Läufer begleitete gab’s einige Pausen und Stopps, vor, zurück, beschleunigen usw. Die Akkulaufzeit von IO Hawk dürfte aber eher auf kontinuierliche Bewegung gerechnet sein.

Absteigen

Immer nach hinten und nicht nach vorne absteigen, sagt der Hersteller. Mehr muss man eigentlich nicht beachten (sofern man geplant vom Board steigt 😉 Hat man den Dreh raus so rollt das Board auch nicht weiter.

Allerdings sollte der Hersteller hier noch ein wenig an der Software feilen; steigt man nämlich z.B. ungewollt vom Board etwa weil ein Schlagloch doch zu tief war, und nimmt dann das Board hoch, so meldet es fast unmittelbar einen Fehler. Das steht zwar auch auf einem der Kotflügel – unpraktisch ist es aber trotzdem. Diesen Fehler kann man zudem aber nicht quittieren, sondern muss das Board ab- und wieder einschalten. Das nervt.

Lautsprecher

Ich habe ja schon erwähnt, dass das Board sich via englischer Sprache gleich nach dem Einschalten meldet. Eben dieser Lautsprecher lässt sich auch zur Audiowiedergabe verwenden. Der Klang ist dabei OK, kann aber mit richtigen Lautsprechern nicht wirklich mithalten. Wenn man das aber mag und die Fahr- und Umgebungsgeräusche miteinbezieht ist der eingebaute Lautsprecher ausreichend.

Und ja, ich oute mich hier gleich mal: Ich finde öffentliche Zwangsbeschallung – von welcher Altersgruppe auch immer – einfach nicht toll und mir persönlich erschießt sich die Notwendigkeit nicht, Musik auf’s Hoverboard beamen zu müssen damit auch möglichst alle daran teilhaben. Verkehrstechnisch natürlich ist das sicherer als Kopfhörer zu tragen aber dennoch…

Praxisnutzen?

Eine Frage, auf die ich (für mich persönlich) noch nicht so recht die Antwort habe. Für Spaß auf zugelassenen Wegen eignet sich das Hoverboard definitiv. Es macht einfach wirklich Laune mit durchaus ordentlicher Geschwindigkeit auf dem Board fast lautlos durch die Gegend zu surren. Aber für derzeit 399€ würde man dann doch auch ggf. das Board zur Fahrt in die Arbeit nutzen wollen, nur, wohin damit, wenn man z.B. vom zu Hause zum Bus oder zur U-Bahn rollt? Das größere IO Hawk Board (ohne den Mini Zusatz) wiegt 14kg anstatt 11kg und bringt auch gleich eine Tasche, um das Board auf den Rücken zu schnallen, mit. Die hätte ich mir auch für das Cross Mini gewünscht – hier muss sie aber teuer (50€) dazugekauft werden.

Modellvergleich

Pro & Contra

++ solide und robust aufgebaut
++ solide Laufzeit (im Test etwa 9km und 1,5h)
++ hohe Maximalgeschwindigkeit
++ auto Balance funktioniert gut und erleichtert den täglichen Betrieb

— preislich im Mittelfeld, dennoch sind (derzeit) 399€ viel Geld
— nervige Fehlermeldungen beim Abstieg
— Tragetasche nicht inklusive

FAZIT

Hoverboarding macht Spaß. Man bewegt sich recht flott (wenn man’s kann) durch die Gegend und das Board ist dabei zudem extrem wendig. Ob ein Hoverboard wie das IO Hawk Cross Mini auch als tatsächliches Transportmittel zum Einsatz kommen kann, hängt immer von der persönlichen Situation ab. Wer z.B. den Radweg ins Büro nehmen kann und nicht die Notwendigkeit hat, das Hoverboard verstauen zu müssen (oder die spezielle Tasche dazukauft), findet ein komfortables Transportmittel mit Spaßfaktor. Mich hat das Cross Mini durch seine gute Verarbeitung sowie die solide Akkulaufzeit überzeugt, persönlich kann ich es allerdings nur für gelegentliche Ausfahrten auf z.B. der Prater Hauptallee verwenden. Wer mit dem Kauf eines Hoverboards liebäugelt: das Cross mini jedenfalls ist sein Geld wert!

>>> Hier geht’s zum Webshop von IO Hawk

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